Kraftklub als Hoffnungsträger: Esperanza bittet um prominente Unterstützung

Kraftklub in Gmünd? Mit einem Video lädt das Esperanza die Band ein, um auf drohende Zuschuss-Kürzungen aufmerksam zu machen.
Schwäbisch Gmünd. „Wir haben gehört, dass ihr gerade auf Promo-Tour seid und wollten euch fragen, ob ihr vorbeikommen wollt und uns unterstützt.“ Das Video des Esperanza Schwäbisch Gmünd hat in nicht einmal 24 Stunden knapp 15.000 Aufrufe und über 860 Likes. Die Jugendkulturinitiative Esperanza lädt die Band Kraftklub nach Gmünd ein. Warum? „Bei uns sind gerade Haushaltsentscheidungen und bei uns sollen bis zu 28 Prozent unserer Zuschüsse gekürzt werden.“ So lautete zumindest der Vorschlag der Stadtverwaltung. Ein Vorschlag, der dem Jugendkulturzentrum über kurz oder lang das Genick brechen könnte. Nur noch schneller ginge es bei dem Vorschlag der AfD-Fraktion, dem Esperanza die Zuschüsse komplett zu streichen. „Nur weil wir uns gegen diese Partei engagiert haben“, heißt es in dem Video. „Und damit werden wir auch nicht aufhören“, bekräftigt Jule Hinderlich vom Esperanza im Gespräch mit der Gmünder Tagespost. Neben einem Treffpunkt für Jugendliche ist das Esperanza Raum für Kulturveranstaltungen wie Konzerte, Lesungen oder Vorträge. „Dabei achten wir stets auf unsere Grundideen: Freiraum, Vielfalt und Selbstbestimmung. Uns ist es dabei wichtig, einen Schutzraum für alle, die sich diesen Werten und Ideen anschließen, darzustellen“, heißt es in einer Presseerklärung der Initiative. Und weiter: „Wir sind keine politische Organisation mit ausgearbeitetem Programm, sondern bieten mit unserem Raum einen Platz für einen respektvollen politischen Diskurs.“
Der Vorschlag der Stadtverwaltung beinhaltet eine Kürzung des Zuschusses für die Miete um zehn Prozent und einen Beitrag der Nebenkosten. „Das ist für uns existenzbedrohend“, so Hinderlich. Doch was, wenn’s wirklich so weit kommt? Gibt es Alternativen? „Wir müssten versuchen, unseren Förderverein auszubauen und Spenden zu generieren.“ Keine einfach Aufgabe, zumal das Geld des Fördervereins eigentlich dazu da ist, Renovierungskosten zu tragen – nicht die Miete. „Und wir müssten an der Kulturarbeit sparen oder sie teurer machen.“ Das wiederum mache das erklärte Ziel, Jugendliche zu erreichen, immer schwerer. Schon die Erhöhung der Getränkepreise um 50 Cent vor einiger Zeit hätten dazu geführt, dass mehr Getränke mit in Taschen reingeschmuggelt wurden. „Wir wollen und werden deshalb keine Taschenkontrollen durchführen“, sagt Hinderlich, macht aber gleichzeitig aufs Problem aufmerksam, dadurch Menschen eventuell auszuschließen. Damals hob man die Preise, weil die Getränke auch im Einkauf teurer geworden waren. Heute steht die Idee erneut im Raum, um die Kürzungen der Zuschüsse aufzufangen.
Und warum ausgerechnet Kraftklub aus Chemnitz? Die Band hat erst vor wenigen Tagen ein Album rausgebracht und feiert das mit geheimen Konzerten quer durch Deutschland. Und, weil die Band eine deutlich linksgerichtete politische Haltung vertritt. „Das würde der Sache große Aufmerksamkeit verleihen“, so Hinderlich. Und im Video: „Denn nur so können wir uns gegen diese Angriffe von rechts wehren.“ Mit Kraftklub käme eine Band nach Gmünd, deren vier bereits erschienene Studioalben allesamt in den Charts auf der Eins landeten und die ihre Videos auf Instagram mit über 475.000 Followern teilen. Somit dann auch diesen Auftritt aus Schwäbisch Gmünd.
Gemeldet haben sich die fünf Musiker noch nicht. Aber die Chancen, dass Kraftklub tatsächlich in Gmünd auftauchen könnten, stünden laut Hinderlich „gar nicht so schlecht“. Denn verglichen mit anderen Einladungs-Videos an die Band sei der Aufruf aus Gmünd deutlich häufiger kommentiert und geteilt worden. Das Anliegen sei jetzt schon nicht mehr nur in Gmünd bekannt, sondern auch über die Stadtgrenzen hinaus. Einziges Problem: Die Band will nur noch bis Mittwoch durch Deutschland touren.
Kraftklub und Geheimkonzerte
Kraftklub ist eine Band aus Chemnitz mit klarer, politischer Haltung. Die fünf Musiker treten konsequent gegen Rechtsextremismus auf. Die Musik ist eine Mischung aus Rock, Punk, Indie. Ihr fünftes und aktuelles Studioalbum „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ erschien am 28. November. Mit ihren Geheimkonzerten ist die Band derzeit auf Promo-Tour. Erfurter Domplatz, Rewe-Supermarkt in Königsbrunn (Landkreis Augsburg) oder Kulturzentrum in Frankfurt: Kraftklub hat dazu aufgerufen, sich für „Geheimkonzerte“ an besonderen Orten zu bewerben.
Copyright Gmünder Tagespost, 03.12.2025
