Pflegeheim am Schönblick: Politik, Naturschützer und Ortsvertreter diskutieren Standort
Aus der heutigen Rems Zeitung: Die Debatte um den geplanten Neubau eines Pflegeheims und von Wohneinheiten im Bereich Schönblick/Taubental gewinnt an Schärfe. Nachdem die wiederbelebte Bürgerinitiative (BI) Taubental in zahlreichen Leserbriefen die Kommunalpolitik kritisierte, schalten sich nun auch eine Gemeinderatsfraktion, Ortsvertreter und Umweltschützerein.
Die Gemeinderatsfraktion der söl betont zwar, für eine bedarfsgerechte Pflegeversorgung in Schwäbisch Gmünd zu stehen, lehnt das geplante Vorhaben am Schönblick jedoch ab. Entscheidend sei nicht das „Ob“, sondern das „Wo und Wie“. Der Bau bedeute den dauerhaften Verlust von Wald, der gerade in Zeiten fortschreitender Hitzesommer als Kaltluftspender und Wasserspeicher unersetzbar sei.
Zudem sieht die söl-Fraktion ungelöste Fragen beim Starkregenschutz und fordert, dass die Bedenken des Regierungspräsidiums vollständig ausgeräumt werden. Auch inhaltlich übt Stadtrat Dr. Andreas Benk Kritik: Es fehlten Plätze für Demenzkranke, während der Begriff „Betreutes Wohnen“ rechtlich schwammig sei und verbindlicher Qualitätsstandards bedürfe. „Der Bedarf an Pflegeplätzen darf nicht zum Argument werden, einen ökologisch und wasserwirtschaftlich problematischen Standort durchzusetzen“, so die Fraktion.
Ortsvorsteher-Stellvertreter wehrt sich gegen Vorwürfe
Auf den Vorwurf der BI Taubental, die Kommunalpolitik handle träge oder fungiere als bloßes „Abnickorgan“, reagiert der stellvertretende Ortsvorsteher von Rehnenhof/Wetzgau, Stefan Preiß, mit Unverständnis. Seit zwölf Jahren werde das Projekt in den Gremien öffentlich, zeitintensiv und kontrovers diskutiert. Die Anschuldigungen nehme er auch stellvertretend für Ratskollegen nicht hin.
Preiß verweist darauf, dass der Ortschaftsrat wichtige Kompromisse erzielt habe: Durch die Verschiebung des Baufelds bleiben alte Bäume entlang der Straße erhalten, gebaut werde auf der Freifläche und nicht im Wald. Zudem sei die geplante Wasserrückhaltung durch Gründächer und Retention leistungsfähiger als der bisherige Boden. Preiß stellt klar, dass das Gesamtprojekt finanziell nur durch den zusätzlichen Wohnanteil tragfähig sei – und auch Wohnraum werde in Gmünd dringend benötigt.
Naturschutzverbände sehen rechtliche Mängel
Parallel erneuern die Naturschutzverbände NABU, BUND und LNV ihre fundamentale Kritik. Sie werfen Stadt und Planern vor, Gefahren durch Starkregen sowie den Arten- und Naturschutz kleinzurechnen. In der jetzigen Form sei das Projekt nicht genehmigungsfähig.
Die Schützer bemängeln in ihrer Stellungnahme, die der Rems-Zeitung vorliegt, insbesondere, dass aus dem ursprünglichen Demenzheim ein primär wirtschaftlich getriebener Wohnkomplex geworden sei, was bilanziell nicht zum Flächennutzungsplan passe. Zudem schädige die Bebauung am Waldrand eine wichtige Frischluftschneise.
Verbände verlangen Nachbesserungen
Auch die Artenschutzgutachten aus dem Jahr 2018 seien veraltet – neuere Nachweise geschützter Fledermäuse blieben unberücksichtigt. Da zudem Bedenken des Regierungspräsidiums bezüglich Überflutungsgefahren von bis zu einem Meter Tiefe nicht ausreichend ausgeräumt worden seien und eine echte Alternativenprüfung fehle, verlangen die Verbände nachdrücklich Nachbesserungen.
Das geplante Bauvorhaben im Bereich Schönblick/Taubental nimmt nach den aktuellen Auslegungsunterlagen eine konkrete Form an, die sich in zentralen Punkten von den ursprünglichen Entwürfen unterscheidet. Neben inhaltlichen und baulichen Anpassungen hat sich vor allem die Trägerschaft geändert: Das diakonische Sozialunternehmen Die Zieglerschen übernimmt den Betrieb der Einrichtung von der Schönblick gGmbH, womit auch eine neue strategische Gesamtausrichtung des Projekts verbunden ist.
Der aktuelle Plan sieht ein kombiniertes Nutzungskonzept vor, das ein klassisches Pflegeheim mit rund 60 Dauerpflege- und 15 Kurzpflegeplätzen umfasst. Anders als in früheren Entwürfen, die eine spezialisierte Demenzabteilung vorsahen, bildet nun ein erweiterter Bereich für betreutes und eigenständiges Wohnen das wirtschaftlich tragende Fundament des Komplexes. Dieser Quersubventionierungsschritt ist im aktuellen Konzept fest verankert, um die Machbarkeit und Finanzierung der gesamten Pflegeeinrichtung zu sichern.
Copyright Rems Zeitung, 04.09.2026
