Ein politisches Eigentor? Warum das Ende des Stadtjugendrings die Stadt Gmünd teuer zu stehen kommt
Es ist ein Rückzug mit Ansage – und ein finanzielles Fiasko für die Jugendarbeit. Nach dem geschlossenen Rücktritt des Vorstands des Stadtjugendrings (SJR) wird deutlich: Die Stadt Schwäbisch Gmünd spart an einer Stelle, die ihr ein Vielfaches an Einnahmen garantiert hat. Ex-Vorstand Sebastian Fritz spricht im RZ-Gespräch über Reißleinen, mangelnde Wertschätzung und den „ideologischen Beigeschmack“ der Kürzungen.
Schwäbisch Gmünd. Die Entscheidung des Vorstands, die Ämter niederzulegen, ist eng verknüpft mit der Streichung der 25-Prozent-Stelle der Geschäftsführung im aktuellen Doppelhaushalt. Sebastian Fritz, der bis zum 23. April dem Vorstand angehörte, macht im RZ-Gespräch deutlich, dass die Handlungsfähigkeit des Vereins an diese Stelle gekoppelt war. Ohne die hauptamtliche Unterstützung sei die Last für ein reines Ehrenamt kaum noch zu bewältigen.
„Wir haben diesen Schritt in den Diskussionen im Vorfeld schon angedeutet“, erklärt Fritz. Dennoch hielt die Stadt an dem Plan fest, die Stelle zu streichen. Dass unter diesen Vorzeichen kein neuer Vorstand gefunden wurde, sieht Fritz als logische Konsequenz: Man habe immer dazu aufgerufen, dass andere in den Vorstand rücken könnten, doch die Bereitschaft, ein solches Amt ohne fachliche Zuarbeit zu führen, ist bei den Mitgliedsverbänden derzeit nicht vorhanden.
Das finanzielle Paradoxon
Ein zentraler Aspekt der Debatte ist der finanzielle Mehrwert, den der Stadtjugendring für Schwäbisch Gmünd generiert. Entgegen dem Image eines reinen Kostenfaktors fungiert der SJR als wichtiger Akteur bei der Akquise von Drittmitteln. „Die Stadt hat einen immensen Mehrwert durch diese 25-Prozent-Stelle“, so Fritz. Viele Förderungen für Vereine und Verbände können rechtlich nur über einen Stadtjugendring beantragt werden – für die Stadtverwaltung selbst sind diese Töpfe oft verschlossen.
Allein für das Jahr 2025 wurden rund 40.000 Euro an Fördermitteln eingeworben, unter anderem aus dem Landesjugendplan. Damit spielt die Geschäftsstelle ihre Kosten nicht nur ein, sondern stellt der Stadt zusätzliche Mittel für Projekte wie den Kleidertausch-Basar oder die „Kidical Mass“ zur Verfügung. Mit dem Wegfall der Geschäftsstelle entfällt somit auch die administrative Kapazität, diese Anträge rechtssicher zu stellen.
Ehrenamt unter Druck
Unterstützung für diese Sichtweise kommt von der Basis der Mitgliedsverbände. Andreas Anklam, Stadtjugendfeuerwehrwart in Schwäbisch Gmünd, betont die Bedeutung des Netzwerks und der hauptamtlichen Entlastung. „Es ist allgemein wichtig, dass es eine hauptamtliche Geschäftsstelle gibt“, erklärt Anklam. In einer Zeit, in der Ehrenamtliche voll im Berufsleben stehen, sei die zusätzliche administrative Verwaltung komplexer Förderanträge und rechtlicher Vorgaben kaum leistbar.
Zwar verfüge die Jugendfeuerwehr über eigene Strukturen, um Förderungen zu beantragen, doch Anklam gibt zu bedenken, dass dies nicht für alle Vereine im Stadtgebiet gelte. Der SJR habe hier als Dienstleister für alle 22 Mitgliedsverbände fungiert und so die Vielfalt der Gmünder Jugendlandschaft abgesichert.
Politische Gräben und mangelnde Kommunikation
Die Entwicklung wird vom ehemaligen Vorstand auch als Ergebnis mangelnder Wertschätzung bewertet. Fritz berichtet, dass der SJR wiederholt Kritik aus einer „bestimmten Richtung“ im Gemeinderat ausgesetzt war. Dabei ging es nicht nur um die Haushaltslage, sondern auch um inhaltliche Differenzen, etwa bei der Unterstützung des Jugendkulturzentrums Esperanza. Zudem beklagt der ehemalige Vorstand die Art der Kommunikation. Während andere Träger frühzeitig in die Haushaltsgespräche eingebunden worden seien, habe man von den konkreten Streichungsplänen eher beiläufig erfahren. Dass nun ausgerechnet die Struktur beschnitten wird, die der damalige Oberbürgermeister und heutige Landrat Dr. Joachim Bläse nach einer früheren Kürzung als essenziell wieder eingeführt hatte, wird als Rückschritt gewertet.
Acht Wochen bis zum finalen Beschluss
Der Stadtjugendring geht nun in eine Übergangszeit. In acht Wochen soll bei einer weiteren Sitzung der finale Beschluss zur Auflösung gefasst werden. Sebastian Fritz sieht derzeit keine Signale für ein Umdenken der Stadtverwaltung: „Wir glauben nicht, dass da von Seiten der Stadt noch etwas kommt.“
Sollte die Auflösung vollzogen werden, verliert Schwäbisch Gmünd nicht nur ein zentrales Sprachrohr für Kinder und Jugendliche, sondern auch eine effiziente Schnittstelle für Fördergelder. Das Ziel, die Jugendarbeit vor Ort weiterzuentwickeln und zu vernetzen, wäre unter den aktuellen Rahmenbedingungen kaum mehr zu erreichen. Die Verantwortung liegt nun beim Gemeinderat, zu entscheiden, wie die durch das Ende des SJR entstehende Lücke in der städtischen Infrastruktur gefüllt werden soll.
Copyright Rems Zeitung, 04.05.2026
