Leihen statt kaufen: breite Zustimmung für „Bibliothek der Dinge“
In Schwäbisch Gmünd könnte bald mehr als Bücher in der Bibliothek ausgeliehen werden. Der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Finanzausschuss berät über eine „Bibliothek der Dinge“. Welche Fragen noch offen sind.
Ein Akkuschrauber für das Wochenende, eine VR-Brille zum Ausprobieren oder ein Messgerät für den Stromverbrauch – Dinge, die viele nur selten brauchen. Genau hier setzt die Stadtbibliothek Schwäbisch Gmünd künftig an. Mit der geplanten „Bibliothek der Dinge“ will sie ihr Angebot deutlich erweitern. Der Verwaltungs-, Wirtschafts- und Finanzausschuss hat das Vorhaben jetzt vorberaten – mit breiter Zustimmung, aber auch konkreten Nachfragen.
„So geht es vielen Menschen“, sagte Bibliotheksleiterin Daniela Geiger mit Blick auf Gegenstände, die nach einmaliger Nutzung im Schrank verschwinden. Die Idee dahinter: leihen statt kaufen. Künftig sollen Bürgerinnen und Bürger nicht nur Bücher und Medien, sondern auch Alltagsgegenstände ausleihen können.
Worum es konkret geht
Formal ging es im Ausschuss um die Neufassung der Benutzungsordnung. Die bisherige Satzung deckt ausschließlich klassische Medien ab. Erst mit der Anpassung wird der Verleih von Gegenständen rechtlich möglich. Damit schafft die Stadt die Grundlage für ein Angebot, das in vielen anderen Kommunen bereits etabliert ist.
Geiger verwies auf positive Erfahrungen etwa in Stuttgart oder Göppingen. Die Rückmeldungen seien „durchweg positiv“. Auch in Gmünd soll das Angebot niedrigschwellig sein und in die bestehende Jahresgebühr integriert werden.
Was Nutzer davon haben
Für die Bürger bedeutet das vor allem mehr Möglichkeiten im Alltag. Wer ein Gerät nur gelegentlich benötigt oder sich bei einer Anschaffung unsicher ist, kann es zunächst testen. Gleichzeitig zielt das Konzept auf mehr Nachhaltigkeit: Ressourcen werden geschont, weil Produkte gemeinschaftlich genutzt werden.
Ein weiterer Aspekt ist die soziale Teilhabe. Gerade teurere Geräte oder Technik sollen so für mehr Menschen zugänglich werden. Die Bibliothek entwickelt sich damit stärker zu einem Ort, der nicht nur Wissen vermittelt, sondern praktische Nutzung ermöglicht.
Diskussion im Ausschuss: Zustimmung, aber offene Fragen
Im Ausschuss stieß das Konzept auf breite Unterstützung, wurde aber kritisch begleitet. Thomas Maihöfer (CDU) verwies augenzwinkernd auf die klassische Nachbarschaftshilfe auf dem Land, begrüßte den Vorstoß aber grundsätzlich. Seine Frage zielte auf mögliche Zusatzkosten: Ob für Schäden oder Verschleiß Rückstellungen oder Gebühren geplant seien. Geiger verneinte – die Nutzung solle über die reguläre Jahresgebühr abgedeckt werden.
Auch Sabine Braun (Grüne) thematisierte mögliche Defekte. Geiger stellte klar, dass Nutzer für einen ordnungsgemäßen Umgang verantwortlich sind und Rückgaben ohnehin kontrolliert werden. Der zusätzliche Aufwand bleibe überschaubar.
SPD-Stadtrat Dr. Uwe Beck erkundigte sich zu einem anderen Punkt der Benutzungsordnung. Denn: Die Benutzungsordnung verbietet Essen und Trinken in der Bibliothek. Gleichzeitig gebe es eine Cafeteria. Dabei komme es jedoch auf das Gegessene an, sagte Geiger. Kaffee oder Wasser, eventuell mal ein Müsliriegel, seien völlig in Ordnung. Wenn Besucher aber mit dem Döner oder der Pizzaschachtel aufkreuzen, brauche es eine entsprechende Handhabe. Erster Bürgermeister Christian Baron ergänzte, dass das Personal der Bibliothek mit dieser Regelung alle Möglichkeiten hätte, um pragmatisch im Einzelfall zu entscheiden.
Ullrich Dombrowski (Bürgerliste) interessierte sich für Erfahrungen aus anderen Städten, insbesondere für das Verhältnis zwischen Ausleihe und Beschädigung. Auch hier verwies Geiger auf positive Rückmeldungen. Der Aufbau des Angebots – finanziert mit rund 6000 Euro – lasse sich ohne zusätzliches Personal stemmen.
Sebastian Fritz (söl) bezeichnete die Idee als „genial“ und brachte eine Vernetzung mit bestehenden Initiativen wie dem Tauschnetz Bumerang ins Spiel. Gleichzeitig regte er an, über ein Pfandsystem nachzudenken, um Risiken bei Defekten zu minimieren.
Kritisch blickte Peter Vatheuer (FDP/FW) auf mögliche Folgekosten. Das Angebot dürfe nicht dauerhaft defizitär sein und müsse sich tragen. Zudem stellte er die Frage nach Auswirkungen auf den lokalen Handel. Geiger und Erster Bürgermeister Christian Baron sehen hier jedoch kaum Konfliktpotenzial. Vielmehr könne das Angebot sogar Kaufanreize schaffen, wenn Produkte zunächst getestet werden.
Einordnung: Teil eines größeren Trends
Mit der „Bibliothek der Dinge“ folgt Schwäbisch Gmünd einem wachsenden Trend. Bibliotheken entwickeln sich zunehmend zu Orten, die über den klassischen Medienverleih hinausgehen. Der Fokus verschiebt sich hin zu gemeinschaftlicher Nutzung, nachhaltigem Konsum und praktischer Bildung.
Die Stadt greift damit auch gesellschaftliche Entwicklungen auf: steigende Sensibilität für Ressourcenverbrauch, wachsendes Interesse an Sharing-Modellen und der Wunsch nach niedrigschwelligen Angeboten im Alltag.
Wie es weitergeht
Die endgültige Entscheidung trifft der Gemeinderat in seiner Sitzung am 10. Juni. Stimmt das Gremium zu, könnte die neue Benutzungsordnung zum 1. Juli in Kraft treten – und die Stadtbibliothek würde einen weiteren Schritt machen: vom Ort der Bücher hin zu einem vielseitigen öffentlichen Angebot für Alltag, Bildung und Nachhaltigkeit.
Copyright Rems Zeitung, 07.05.2026
