Sorgen vor dem Rathaus: Mahnwache gegen geplante Kürzungen im Kulturbereich
Rund 80 Menschen haben sich am 17. Dezember vor dem Gmünder Rathaus versammelt. Ein Bündnis hatte zur Mahnwache aufgerufen. Anlass sind befürchtete Einsparungen im Kulturbereich. Im Mittelpunkt stehen Vereine wie der Stadtjugendring (SJR), die Jugendkulturinitiative Esperanza und andere Einrichtungen, die um ihre Fördermittel bangen.
„Es ist wichtig, dass Jugendkultur so erhalten bleibt“, sagt der 47-jährige Florian. In seiner Schulzeit habe es Angebote wie das Esperanza nicht gegeben, heute besucht er dort gerne Konzerte. Mit seiner Teilnahme an der Mahnwache will er Solidarität zeigen, auch wenn er wenig optimistisch ist, dass sich kurz vor der Haushaltsverabschiedung noch etwas an den Sparplänen der Stadt ändern wird.
Petition gegen Kürzungen: Engagement von Fritz Lemke
Auch Fritz Lempke ist gekommen. Er hat eine Petition gestartet, um die Kürzungen beim Esperanza zu kritisieren. „Es wird am falschen Ende gespart“, betont er. Vor allem die Kurzfristigkeit der Sparpläne sorgt bei ihm für Unmut. Jetzt noch Anträge für das kommende Jahr vorzubereiten, sei viel zu knapp. Lempke macht deutlich, dass es nicht nur um das Esperanza geht, sondern auch um den gesamten Stadtjugendring.
Im Zuge des Sparkurses der Stadt stehen im Bereich Jugend und Kunst konkrete Einschnitte im Raum. Geplant ist, die Zuschüsse für die Jugendarbeit zu reduzieren und beim Stadtjugendring eine Stelle zu streichen. Der Barzuschuss des SJR soll um zehn Prozent verringert werden, was rund 1000 Euro entspricht. Besonders umstritten ist die Streichung einer 25-Prozent-Stelle in der Geschäftsführung des SJR, die derzeit von einer Mitarbeiterin des Amts für Familie und Soziales ausgeübt wird. Aus Sicht freier Träger gilt diese Koordinierungsstelle als zentral: genannt werden die Vernetzung der Jugendverbände, die Vertretung junger Interessen gegenüber Politik und Verwaltung sowie die Beantragung und Verteilung von Fördermitteln, etwa aus dem Landesjugendplan.
Kritik an Sparplänen und Bezug zur Gmünder Charta
Kritiker bezeichnen die Streichung der SJR-Stelle als kontraproduktiv und verweisen auf Ziele der Gmünder Charta, die Ehrenamt, Vereine und junge Menschen stärken. Außerdem wird bemängelt, dass die Sparmaßnahmen im Jugendbereich bisher nicht im Jugendgemeinderat thematisiert wurden.
Die Jugendkulturinitiative mit dem Esperanza sieht sich zudem mit deutlich höheren Einschnitten konfrontiert. Dem Vorschlag der Verwaltung zufolge sollen 90 Prozent der Mietkostenzuschüsse entfallen; Nebenkosten für das Jugendzentrum in der Benzholzstraße sollen künftig ebenfalls vom Verein selbst getragen werden.
Insgesamt wird befürchtet, dass die Einschnitte nicht nur die praktische Jugendarbeit betreffen, sondern auch Beteiligung, Ehrenamt und das Selbstverständnis Schwäbisch Gmünds als Stadt der Mitwirkung und des Engagements schwächen könnten. Den Anwesenden ist bewusst, dass die Mahnwache kurz vor der Verabschiedung des geplanten Haushalts den Kurs kaum ändern wird. Dennoch wird der Wille betont, sich dem neuen Sparzwang nicht ohne Protest zu fügen.
Copyright Rems Zeitung, 18.12.2025
