Streit um die Esperanza-Kürzungen in Gmünd: Ist ein Euro nicht zumutbar?
Hitzige Debatte: Stadt Gmünd will die Unterstützung für die Jugendkulturinitiative kürzen. SPD, Grüne und söl üben scharfe Kritik. Die CDU sieht das anders.
Schwäbisch Gmünd. Die Stadt Schwäbisch Gmünd muss Millionen einsparen. Obwohl die Kürzungen beim Esperanza im mittleren vierstelligen Bereich dazu nur einen minimalen Teil beitragen, sorgt das Vorhaben der Verwaltung für richtig Zündstoff im Rathaus. Vor allem die Grünen, die SPD und die söl stemmen sich dagegen und machen sich Sorgen um die Zukunft des Vereins. Bürgermeister Christian Baron stellt klar, dass „ich nicht glaube, dass das existenzgefährdend ist“.
Mehrkosten von gut 5000 Euro
Um welche Kürzung geht es konkret? Die Stadt fördert die Jugendkulturinitiave Gmünd seit 2009 mit jährlich maximal 20.440 Euro. 16.440 Euro sind für die Miete des Jugendkulturzentrums Esperanza, plus einem auf 4000 Euro gedeckelten Nebenkostenzuschuss. Künftig soll auch die Jugendkulturinitiative (JKI) wie alle anderen Vereine gefördert werden.Heißt: Die Stadt übernimmt statt 100 Prozent nur noch 90 Prozent der Miete, und die Nebenkosten muss der Verein selbst tragen. Macht also rund 5600 Euro jährlich. Wobei Oberbürgermeister Richard Arnold sagt, dass „wir im Doppelhaushalt für 2026 noch eine Brücke bauen und die Hälfte der geforderten Sparmaßnahmen übernehmen“. Der OB fügt hinzu, dass „wir keine Sonderbehandlung fürs Esperanza wollen, sondern eine Gleichbehandlung aller Vereine“.
Umwandlung in Jugendförderung
Während die AfD-Fraktion im Gmünder Gemeinderat die Unterstützung für das Esperanza sogar ersatzlos streichen will, setzen sich Grüne, SDP und söl für eine größere finanzielle Unterstützung ein, als sie die Stadt plant. Die Grünen wollen die für alle Vereine geltende Zehn-Prozent-Kürzung auf die Miete und Nebenkosten anwenden. Die SPD will, dass die 4000 Euro für Nebenkosten in einen Zuschuss zur Jugendförderung umgewidmet werden. Auch die söl fordert, dass die Nebenkosten weiterhin komplett von der Stadt getragen werden.
Ein Alleinstellungsmerkmal?
Thomas Krieg (Grüne) erklärt, dass die Jugendkulturinitiative im Gegensatz zu anderen Vereinen „nicht den Stamm an Erwachsenen hat, die das finanzieren“. Dem widerspricht Oliver Glass (CDU): „Das stimmt nicht. Die Jugendabteilung der SG Bettringen beispielsweise finanziert sich selbst.“
Auch Dr. Uwe Beck (SPD) setzt sich für eine stärkere Förderung der JKI ein, weil „es beim Esperenza um Jugendliche und Kinder geht, die andere Vereine nicht erreichen. Insofern ist die JKI nicht vergleichbar mit anderen Vereinen“. Das sieht Sebastian Fritz (söl) ähnlich. „Das Esperanza hat ein Alleinstellungsmerkmal“, sagt der söl-Sprecher. Das Esperanza sei ein Verein, dessen Kulturangebot sich an Jugendliche und junge Erwachsene richtet. „Wir befürchten, dass es langfristig zu Kürzungen des Programms kommt“, sollte die finanzielle Unterstützung in dem Maß gekürzt werden. Und: Fritz weist darauf hin, dass sich die Landeszuschüsse an den Zuschüssen der Stadt orientiere. Dementsprechend würden auch diese zurückgehen.
Freifahrtschein für Zuschüsse?
Oliver Glass warnt davor, der JKI ein Alleinstellungsmerkmal zu geben. „Was bedeutet diese Sonderstellung? Ein Freifahrtschein für Zuschüsse? Ich rate davon ab, zu diskutieren, welcher Verein die beste Jugendarbeit macht. Das gibt nur Ärger. Zumal die JKI bislang schon Zuschüsse erhalten hat, die andere nicht bekommen haben“, sagt der CDU-Stadtrat. Denn: Jeder Verein müsse schauen, wie er seine Jugendarbeit finanziert. Glass erkenne beim Esperanza „keine Bereitschaft, etwas zu machen. Beispielsweise die Ticketpreise oder Getränkepreise zu erhöhen oder nach Sponsoren zu suchen“.
Preis um einen Euro erhöhen
Christian Baron nimmt ebenso die Jugendkulturinitiative in die Pflicht. Es gehe um gut 5000 Euro, die auf die JKI jährlich zukommen. Dann rechnet der Erste Bürgermeister vor: Im Esperanza würden rund 50 Veranstaltungen im Jahr stattfinden mit durchschnittlich 100 Besuchern. „Wenn die Eintrittspreise nur um einen Euro erhöht werden, sind das im Jahr 5000 Euro. Deshalb geht kein Einziger weniger ins Esperanza.“ Auch die Argumentation, dass die Getränkepreise nicht erhöht werden könnten, weil die Besucher sonst gegenüber im Supermarkt Lidl einkaufen, ärgert Christian Baron: „Das ist schon enttäuschend, wenn man sich die 50 Cent nicht gönnt.“ Und zum Thema Sponsoring sagt der Bürgermeister: „Ja, Vertreter der JKI sagen, dass sie das nicht wollen. Ich weiß aber nicht, ob das die Zeit ist, in der man sowas sagt.“
Am kommenden Mittwoch (17. Dezember) wird der Gemeinderat über die Bezuschussung der Jugendkulturinitiative abstimmen. Und die hitzige Debatte damit beenden.
Copyright Gmünder Tagespost, 14.12.2025
