Kein Gremium für die Innenstadt
Kommunalpolitik: Der Verwaltungsausschuss lehnt einen Innenstadtrat für Schwäbisch Gmünd ab. Stattdessen sollen sich künftig die 18 Stadträte mit Wohnsitz in der Kernstadt regelmäßig austauschen. Der Vorschlag des OB fand fraktionsübergreifend Zustimmung.
Aus der Rems-Zeitung: Nein, die Gmünder Innenstadt wird kein eigenes Gremium nach dem Vorbild der Ortschaftsräte in den Teilorten bekommen. Ganz ohne Ergebnis endete die Debatte im Verwaltungs-, Wirtschafts- und Finanzausschuss des Gemeinderats aber nicht. Am Ende fand ein Vorschlag der Stadtverwaltung fraktionsübergreifend Zustimmung. Ausgangspunkt war ein Antrag der söl, die ein eigenes Gremium für die Kernstadt schaffen wollte. Ziel sei es, die Interessen der Innenstadtbewohner besser zu vertreten und Themen bereits vor einer Beratung im Gemeinderat zu diskutieren. Die Verwaltung sprach sich erneut gegen diesen Vorschlag aus. Zur Begründung verwies sie auf die Größe und Struktur der Innenstadt. Während die Ortschaften zwischen 460 und rund 9500 Einwohner zählten und jeweils vergleichsweise homogene Strukturen aufwiesen, lebten in der Kernstadt nahezu 30.000 Menschen mit sehr unterschiedlichen Interessen und Quartieren. Statt eines zusätzlichen politischen Gremiums setze die Stadt seit Jahren auf Stadtteilbüros und eine quartiersbezogene Stadtteilkoordination. Dieses Konzept habe sich bewährt. Ein weiteres Gremium würde die ohnehin umfangreiche Gremienarbeit zusätzlich ausweiten, Entscheidungsprozesse verlängern und sowohl Verwaltung als auch Gemeinderat organisatorisch stärker belasten. Hinzu komme, dass es zunehmend schwieriger werde, genügend Bürgerinnen und Bürger für ehrenamtliche kommunalpolitische Arbeit zu gewinnen. Zudem erinnerte die Verwaltung daran, dass ein nahezu identischer Antrag bereits mehrfach gestellt und jeweils aus denselben Gründen abgelehnt worden sei. Dennoch warb söl-Fraktionschef Sebastian Fritz für sein Anliegen. Ein Innenstadtgremium könne die Interessen der Bewohner besser repräsentieren und auch „unbequeme Themen“ vor einer Beratung im Gemeinderat aufgreifen. Die Reaktionen im Ausschuss fielen unterschiedlich aus. CDU-Fraktionschef Alfred Baumhauer sah keinen Bedarf für einen Innenstadt-Rat. In der Kernstadt fehle ein gemeinsames identitätsstiftendes Element, wie es in den Teilorten vorhanden sei. SPD-Stadtrat Dr. Uwe Beck hielt dagegen: Die bestehenden Stadtteilforen seien keine demokratisch legitimierten Gremien. „Deswegen kann man schon der Meinung sein, dass die Innenstadt demokratisch unterrepräsentiert ist.“ Thomas Maihöfer (CDU), zugleich Ortsvorsteher von Herlikofen, berichtete aus der Praxis eines Ortschaftsrats. Dort würden zahlreiche Anliegen aus dem Ort beraten – manches finde später im Gemeinderat eine Mehrheit, manches nicht. Gleichzeitig seien viele Anträge des Gemeinderats ohnehin stark auf die Innenstadt ausgerichtet. Einen anderen Weg schlug Oberbürgermeister Richard Arnold vor. „Bevor man Neues schafft, sollte man schauen: Was gibt es schon.“ Im Gemeinderat säßen derzeit 18 Stadträtinnen und Stadträte aus allen Fraktionen mit Wohnsitz in der Kernstadt. Dieses Potenzial könne genutzt werden, indem sich die Innenstadtvertreter künftig regelmäßig austauschten und Themen bündelten, bevor sie in den Gemeinderat eingebracht werden. Mit diesem Vorschlag konnte Arnold selbst Befürworter eines Innenstadtgremiums überzeugen. Grünen-Fraktionschef Gabriel Baum bezeichnete die immer wieder aufkommende Debatte als „jedes Mal befruchtend“ und sprach von einem kreativen Ansatz der Verwaltung. Auch Sebastian Fritz zeigte sich offen. Der Vorschlag sei ein „sehr guter Ansatz“. Ein eigenes Innenstadtgremium wird es damit zwar weiterhin nicht geben. Die Diskussion könnte aber dennoch Folgen haben: Statt einer neuen politischen Ebene könnte künftig ein regelmäßiger Austausch der Innenstadt-Stadträte die Anliegen der Kernstadt stärker bündeln – ein Kompromiss, mit dem am Ende nahezu alle Fraktionen leben konnten.
Copyright Rems-Zeitung, 09.07.2026
