Schulkindbetreuung wird teurer: Gmünds Gemeinderat beschließt Kompromiss
Nach monatelangem Ringen hat Schwäbisch Gmünd ein neues Gebührenmodell für die Schulkindbetreuung beschlossen. Die Erhöhung fällt moderater aus als zunächst geplant, doch SPD und söl stimmten dagegen. Warum die Gegenstimmen vor zu hohen Belastungen warnen.
Nach monatelangem Ringen hat der Gemeinderat Schwäbisch Gmünd den Weg für ein neues Gebührenmodell in der Schulkindbetreuung freigemacht. Ab dem Schuljahr 2026/27 steigen die Betreuungsentgelte. Die nun beschlossene Lösung fällt deutlich moderater aus als der ursprüngliche Vorschlag der Stadtverwaltung, sorgt im Rat aber dennoch nicht für Einigkeit.
Bereits seit März hatte das Thema die Kommunalpolitik beschäftigt. Die Verwaltung wollte die Gebühren zunächst deutlich stärker anheben und zugleich das bisherige Rabattsystem für Familien mit mehreren Betreuungsmodulen abschaffen. In der Gemeinderatssitzung im Juni scheiterte jedoch jedes der vorgeschlagenen Modelle an fehlenden Mehrheiten.
Verwaltungsvorschlag scheiterte an fehlendem Konsens
Daraufhin legte die Verwaltung einen überarbeiteten Vorschlag vor. Dieser sieht nun eine Erhöhung des Erlösvolumens um rund 25 Prozent vor. Nach Angaben der Stadt steigen die Kosten für Eltern je nach gebuchtem Modul um etwa einen bis 1,80 Euro pro Monat. Gleichzeitig bleibt eine gestaffelte Vergünstigung für Familien erhalten: Bei den ersten sechs gebuchten Betreuungsmodulen sinkt der Preis pro zusätzlichem Modul schrittweise, ab dem siebten Modul greift ein gedeckelter Tarif. Der Freitagnachmittag wird künftig wegen des längeren Betreuungszeitraums als zwei Module berechnet.
Mit den neuen Gebühren rechnet die Stadt mit jährlichen Mehreinnahmen von rund 63.000 Euro. Diese sollen dazu beitragen, die Qualität und Verlässlichkeit der Schulkindbetreuung trotz steigender Betriebskosten zu sichern.
CDU spricht von Lösung, „der alle zustimmen können“
Im Gemeinderat fand der Kompromiss überwiegend Zustimmung. CDU-Fraktionschef Alfred Baumhauer sprach von einer Lösung, „der alle zustimmen können“, und dankte insbesondere den Grünen, „dass wir gemeinsam eine Brücke gefunden haben“.
Auch Grünen-Fraktionsvorsitzender Gabriel Baum trug den Vorschlag mit, obwohl er hinter den ursprünglichen Forderungen seiner Fraktion zurückbleibe. Die Verwaltung sei von ihrer zunächst vorgesehenen stärkeren Erhöhung deutlich abgerückt. Gleichzeitig machte Baum deutlich, dass Familien derzeit nicht einzelne Gebühren belasteten, sondern die Summe vieler Preissteigerungen.
SPD und söl kritisieren Mehrbelastung für Familien ohne Zuschüsse
Für die SPD ging der Kompromiss dagegen weiterhin zu weit. Fraktionsvorsitzende Sigrid Heusel erinnerte daran, dass ohne den gemeinsamen Einspruch von SPD, Grünen und söl wohl der ursprüngliche Verwaltungsvorschlag beschlossen worden wäre. Zwar falle die Erhöhung nun geringer aus, dennoch überschreite sie das für ihre Fraktion vertretbare Maß. Besonders betroffen seien Familien, die knapp oberhalb der Einkommensgrenzen für staatliche Unterstützungsleistungen lägen.
In dieselbe Richtung argumentierte Sebastian Fritz für die söl-Fraktion. Beschlüsse der Bundesregierung, etwa beim Wohngeld, träfen viele Familien zusätzlich. Gerade für Haushalte, die keine Zuschüsse erhielten, summierten sich die steigenden Belastungen. Deshalb kündigte auch seine Fraktion ihre Ablehnung an.
Bruno Döller (AfD) begrüßte, dass die zunächst gescheiterte Abstimmung eine erneute Diskussion ermöglicht habe. Dadurch sei nun ein besseres Ergebnis zustande gekommen.
Für die Bürgerliste sprach sich Fraktionsvorsitzender Ullrich Dombrowski für den Verwaltungsvorschlag aus. So wie viele kleine Einsparungen im städtischen Haushalt zusammenwirkten, trügen auch die zusätzlichen Einnahmen aus der Schulkindbetreuung dazu bei, das Defizit zu verringern.
Am Ende folgte die Mehrheit des Gemeinderats dem Kompromiss. Mit Beginn des neuen Schuljahres gelten damit die neuen Gebühren für die Schulkindbetreuung.
Copyright Rems Zeitung, 24.07.2026
