Gräben im Gmünder Gemeinderat: So denken die Räte über steigende Kita-Gebühren
Fünf Fraktionen stimmen zu, zwei dagegen: So diskutiert der Gmünder Gemeinderat die Erhöhung der Elternbeiträge ab September.
Schwäbisch Gmünd. Eltern zahlen bald mehr für Kita und Kindergarten. Der Gemeinderat beschließt bei Ablehnung von SPD und söl, die Gebühren anzuheben. Die Diskussion zeigt die Gräben zwischen den Fraktionen.
Das hat der Rat beschlossen
Mit den Stimmen von CDU, Grünen, Bürgerliste, FDP/Freie Wähler und AfD hält sich die Stadt an die Empfehlung des Landes: 4,5 Prozent mehr ab September 2026, weitere vier Prozent ab September 2027. Die Kosten für die Verpflegung steigen parallel um zwei beziehungsweise drei Prozent.
Der Beschluss regelt zudem, dass Eltern Beiträge zurückerhalten, sollte ihr Kind an fünf aufeinanderfolgenden Betreuungstagen entschuldigt fehlen.
So sehen es die Zustimmenden
„Wer die Haushaltsdiskussionen verfolgt hat, muss zustimmen, denn wir können das nicht gegenfinanzieren“, bewertet David Sopp (CDU) die Lage. Thomas Krieg (Grüne) spricht von einem Dilemma: „Zum einen der Haushalt und die steigenden Betriebskosten.“ Gmünd wolle „gut bleiben und Qualität sichern“. Seine Fraktion sehe aber auch: „Familien, die knapp über der Bemessungsgrenze liegen, trifft die Erhöhung stark.“
Stadt geht es finanziell nicht gut
„Kosten erhöhen, gefällt keinem, aber wir haben die Verantwortung, die Stadt nicht zu tief in rote Zahlen rutschen zu lassen“, sagt Andreas Wörner für die AfD-Fraktion. Der Stadt gehe es finanziell schlecht, mahnt Ullrich Dombrowski (BL): „Es gibt keine Aussicht, dass sich das verbessern wird.“ „Wir sind dazu gezwungen“, ergänzt auch Dr. Peter Vatheuer (Freie Wähler) – schlechter sei nur, Schulden zu hinterlassen.
Das sagen die Gegner
„Die Erhöhung ist sozial und menschlich falsch“, setzt Lisa Grimmbacher (SDP) an. Immer mehr Familien müssten schauen, ob das Geld bis zum Monatsende reicht. „Das Betreuungsangebot nutzt nichts, wenn Eltern es sich nicht mehr leisten können.“
Grimmbacher sieht eine Politik, die Familien nicht in den Mittelpunkt stellt. Das Land müsse seiner Verantwortung gerecht werden und die Stadt Prioritäten überdenken. Zum Beispiel einen Kreisverkehr weniger bepflanzen. Oder auch: „Wir könnten schrittweise erhöhen, jetzt um zwei Prozent.“
Bürgermeister reagiert
Das mit dem Land sehe er genauso, antwortet Baron. Die Stadt stelle allerdings Familien in den Mittelpunkt: Über 19 Millionen Euro würden in Schulen, Schulsozialarbeit oder Bücherei fließen. Aber der Haushalt müsse ausgeglichen sein – lieber über Schulden? „Die bezahlen unsere Kinder zurück.“ Soll die Stadt an der Qualität der Kinderbetreuung sparen? „Das war bisher eine rote Linie.“
Verschnaufpause für Familien?
Andreas Dionyssiotis (söl) plädiert für eine Verschnaufpause für Familien. In Gmünd decken die Elternbeiträge 16,3 Prozent der Kosten, andere Kommunen lägen zwischen 13 und 17 Prozent: Dabei zu bleiben „wäre im interkommunalen Vergleich gut vertretbar“.
Eine Verschnaufpause bei den Gehältern für die Erzieherinnen funktioniere auch nicht, mahnt Baron steigende Ausgaben an. Deren 5,8-prozentige Anpassung sei verdient. „Wenn wir das bei den Einnahmen machen, ist das nicht konsequent“, so Baron.
Copyright Gmünder Tagespost, 25.07.2026
