168 Wohnungen auf fünf Fußballfeldern
Gleich zwei städtebauliche Großprojekte stehen auf der Tagesordnung des Gmünder Gemeinderats und sorgen für erhebliche Diskussionen: die geplante Wohnbebauung auf der Schapplachhalde sowie das neue Seniorenzentrum auf dem Schönblick
Die Dimension auf der Schapplachhalde ist gewaltig: Auf einem rund 3,4 bis 3,6 Hektar großen Areal – eine Fläche von fast fünf Fußballfeldern (rund 34.000 bis 36.000 Quadratmeter) – strebt die Stadtverwaltung gemeinsam mit der Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom hl. Vinzenz von Paul (Untermarchtal) ein neues Quartier an. Angedacht sind 15 Gebäude mit 168 Wohnungen. Für die alten Grundstückeigentümer bedeutet der Bebauungsplan einen finanziellen Quantensprung. Nach den offiziellen Bodenrichtwerten von BORIS-BW werden landwirtschaftliche Flächen und Wiesen in diesem Bereich derzeit mit mageren 2 Euro pro Quadratmeter gehandelt. Nach einer Umwidmung in einem allgemeinen Wohngebiet steigt der Wert schlagartig auf rund 230 bis 260 Euro pro Quadratmeter. Der Gesamtwert der Fläche beträgt dadurch rein rechnerisch von ehemals rund 70.000 Euro auf weit über 9 Millionen Euro. Allerdings dürfte dieser Preis am Markt nicht zu lösen sein. Insider sprechen von sechs Millionen Euro. Neben dem enormen Wertzuwachs entzündet sich die Kritik überwiegend an der Verkehrsanbindung, den ökologischen Folgen und an der Quote für bezahlbaren Wohnraum. Kritiker verweisen darauf, dass von den Vorhabenträgern ursprünglich 25 Prozent geförderter Wohnraum im Raum standen – eine Zahl, die satte zehn Prozentpunkte über der städtischen Pflichtquote von 15 Prozent gelegen hätte.
Hiervon ist in den aktuellen Entwürfen wenig übrig. Nachdem der Gemeinderat im Sommer das verbindliche Angebot für sozialen Wohnungsbau abgeschafft hatte, wurde der Passus gestrichen. Seitens der Vinzentinerinnen war auf Anfrage kurzfristig niemand für eine Stellungnahme erreichbar, um zu klären, ob womöglich auf freiwilliger Basis dennoch geförderter Wohnraum entstehen könnte. Seiten des Stadtentwicklungsamtes hießen es lediglich, dass man nicht in der rechtlichen Ausführungspflicht stehe. Notwendiges Wachstum oder massive Fehlplanung? Das Bauvolumen erreicht Ausmaße, die mit dem innerstädtischen Fehrle-Quartier vergleichbar sind. Entsprechend prallen die Argumente bereits im Bauausschuss: Oberbürgermeister Richard Arnold und die Stadtverwaltung betonen die Notwendigkeit des Projekts im Hinblick auf den demografischen Wandel. „Wenn man die Voraussetzung nicht schaffe, wisse man nie, ob es klappt“, argumentierte Arnold im Gremium. „Die Überalterung der Gesellschaft sei da. Wir brauchen Angebote für die Menschen, die ihre Häuser frei machen für Familien. Das würde uns enorm entlasten.“ Die Schapplachhalde liegt mit nur etwa 1.000 Metern Entfernung zur Innenstadt ausgesprochen zentral – ideal, um Alltagswege auch ohne eigenes Pkw zu bewältigen. Zudem sei die Fläche im Flächennutzungsplan 2035 bereits als Wohnbaufläche vorgesehen. Allen voran Stadtrat Dr. Andreas Benk (söl) kritisiert das Maß der Bebauung scharf: „Das ist eine deutliche Abweichung in einem sensiblen Gebiet“, betonte Benk und verwies außerdem auf die Stellungnahme des Landratsamtes, die „auf die sehr massive Bebauung und das deutliche Hineinragen in die Umgebung hinweist.“ Bedenken gibt es wegen der Überbauung sinnvoller Randbereiche wie regionaler Grünzüge sowie Vorranggebiete für Naturschutz und Landwirtschaft. Anwohner und Oppositionskräfte bezweifeln zudem den tatsächlichen Bedarf. Sie verweisen auf stagnierende Bevölkerungszahlen und fordern eine Priorisierung anderer Flächen – etwa am „Stadteingang West“. Überdies ist seit den jüngsten Beratungen im Bauausschuss durchgesickert, dass ein Investor für das nahegelegene TSB-Areal bereitsteht, wo ebenfalls neuer Wohnraum entstehen könnte. Die öffentliche Sitzung des Gemeinderats beginnt am Mittwoch, 7. Oktober, 16 Uhr im großen Sitzungssaal des Rathauses.
Copyright Rems Zeitung, 07.10.2026
