Schönblick und Margaritenhöhe: Die nächste Generation zahlt die Rechnung
Waldverlust, Flächenversiegelung und fehlender bezahlbarer Wohnraum: Die söl kritisiert kurzsichtige Entscheidungen in der Gmünder Stadtentwicklung.
Schwäbisch Gmünd. Die Beschlüsse zum Pflegeheim am Schönblick und zur Bebauung der Margaritenhöhe sind gefasst. Doch ihre Folgen reichen weit über die aktuelle Gemeinderatsperiode hinaus. Die söl-Fraktion kritisiert, dass wertvolle Natur- und Grünflächen unter Druck geraten, Alternativen nicht konsequent genug geprüft wurden und soziale Fragen zu wenig Gewicht erhalten haben.
„Was heute an Natur zerstört und an Fehlentwicklungen beschlossen wird, müssen kommende Generationen ausbaden. Wir brauchen eine Stadtpolitik, die weiterdenkt als bis zur nächsten Abstimmung“, erklärt Fraktionsvorsitzender Sebastian Fritz.
Schönblick: Pflege ja – Waldzerstörung nein
Der Neubau eines Pflegeheims ist notwendig. Aus Sicht der söl wurde jedoch nicht ernsthaft genug nach einem alternativen Standort gesucht. Statt gegenseitiger Schuldzuweisungen braucht es eine ehrliche Auseinandersetzung mit den gesetzlichen Vorgaben, den steigenden Pflegekosten und den Möglichkeiten, Naturflächen zu erhalten.
Die Fraktion erinnert daran, warum ein Neubau erforderlich wurde: Die Landesheimbauverordnung Baden-Württemberg stellt neue Anforderungen an die bauliche Gestaltung von Pflegeeinrichtungen. Dazu gehört, dass klassische Zweibettzimmer in bestehenden Einrichtungen unter bestimmten Übergangs- und Ausnahmebedingungen nicht dauerhaft zulässig sind. Die entsprechenden Vorgaben wurden unter einer CDU-geführten Landesregierung auf den Weg gebracht.
Für die söl ist deshalb klar: Es greift zu kurz, die notwendige Erneuerung der Pflegeinfrastruktur allein auf kommunale Entscheidungen zu reduzieren. Ebenso wenig ist es akzeptabel, diejenigen zu kritisieren, die angesichts des fortschreitenden Klimawandels die Rodung und dauerhafte Überbauung von Waldflächen ablehnen.
„Gute Pflege und Klimaschutz dürfen nicht gegeneinander ausgespielt werden. Wer Waldflächen dauerhaft opfert, muss zuvor alle naturverträglichen Alternativen ernsthaft und nachvollziehbar geprüft haben“, betont Stadtrat Dr. Andreas Benk.
Margaritenhöhe: Bauen mit Augenmaß statt maximalem Flächenverbrauch
Auch die beschlossene Bebauung der Margaritenhöhe wirft aus Sicht der söl grundlegende Fragen auf: Ist die Dimension des Vorhabens angemessen? Wie lassen sich wichtige Grünzüge schützen? Und wie wird sichergestellt, dass tatsächlich bezahlbarer Wohnraum entsteht – statt lediglich zusätzlicher Wohnraum, den sich viele Menschen kaum leisten können?
Die Stadtentwicklung darf sich nicht allein daran orientieren, welche Flächen sich baulich nutzen lassen. Entscheidend ist auch, welche ökologischen und sozialen Folgen damit verbunden sind und welchen konkreten Nutzen die Menschen vor Ort davon haben.
„Nicht jede Fläche, die bebaut werden kann, muss auch bebaut werden. Wir müssen uns fragen, wem diese Entwicklung nutzt und welche ökologischen und sozialen Kosten wir hinterlassen“, erklärt Stadträtin Regina Krieg.
Auch Stadtrat Andreas Dionyssiotis mahnt, die langfristigen Folgen kommunaler Entscheidungen stärker in den Blick zu nehmen: „Kommunalpolitik darf nicht nur auf kurzfristige Interessen schauen. Wir entscheiden heute darüber, wie lebenswert Schwäbisch Gmünd für unsere Kinder und Enkel sein wird.“
Verantwortung endet nicht mit dem Beschluss
Die Position der söl ist klar: Pflegeplätze und Wohnraum werden gebraucht – aber nicht um jeden Preis. Eine verantwortungsvolle Stadtentwicklung muss ökologische Grenzen respektieren, soziale Bedürfnisse ernst nehmen und Alternativen sorgfältig abwägen.
Die Beschlüsse sind gefasst. Ihre Folgen aber werden noch lange spürbar sein. Wer heute Waldflächen opfert, Grünflächen versiegelt und soziale Belange vernachlässigt, verschiebt die Kosten in die Zukunft. Die Rechnung zahlen am Ende diejenigen, die bei den heutigen Entscheidungen noch gar nicht mitreden können.
