Bauernverband wehrt sich gegen Abwertung seiner Flächen
Aus der heutigen Rems Zeitung: Die geplante Erweiterung des Bargauer Wohngebiets „Strutfeld“ sorgt für erheblichen Zündstoff. Nach einer hitzigen Debatte im Gmünder Klima- und Bauausschuss meldet sich nun der Bauernverband Bezirk Schwäbisch Gmünd zu Wort. Die Landwirte reagieren mit großem Unmut auf den Vorwurf, ihre Flächen seien lediglich eine minderwertige „Agrarbrache“.
Es ist ein klassischer Zielkonflikt, der in Zeiten von Wohnungsnot und gleichzeitigem Klima-wandel immer dringlicher wird: Wie viel Fläche darf für neuen Wohnraum versiegelt werden, und wie viel muss für die Natur und die Landwirtschaft erhalten bleiben? Auf den rund 2,58 Hektar im Südosten Bargaus sollen 27 Bauplätze für Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser entstehen, ergänzt durch Mehrfamilienhäuser und Gewerbeflächen. Während die Stadtverwaltung den hohen Wohnraumbedarf decken und einen definierten Ortsrand schaffen will, formiert sich gegen die politische Argumentation nun massiver Widerstand aus der landwirtschaftlichen Praxis.
Auslöser des aktuellen Konflikts ist eine Formulierung aus den Reihen der CDU im Bauausschuss. Stadtrat Fabian Wolf hatte mit Blick auf die bürokratischen Hürden den ökologischen Nutzen des Projekts hervorgehoben: Statt der bisherigen „Agrarbrache“ entstehe ein begrüntes Wohngebiet mit deutlichem Mehrwert für die Umwelt.
Diese Wortwahl hat bei den lokalen Landwirten das Fass zum Überlaufen gebracht. In einer offiziellen Stellungnahme kritisiert der Bauernverband die Debatte scharf. „Die Argumentation jedoch, welche eine Abwägung mancher Entscheidungsträger rechtfertigen soll, ist aus der Sicht von uns Landwirten oft eine Herabwürdigung unserer Arbeit“, erklärt Michael Weber, Sprecher des Bauernverbands Bezirk Schwäbisch Gmünd. Die Berichterstattung habe zu großem Unverständnis geführt. Wer landwirtschaftliche Flächen in dieser Form abwerte, verkenne die Bedeutung der Landwirtschaft.
Der Verband mahnt ein globales Umdenken an, das auf lokaler Ebene beginnen müsse. Krisen und instabile Lieferketten zeigten, wie verletzlich die Versorgung geworden ist. Weber betont: „Ackerboden ist nicht vermehrbar. Fruchtbare Böden sind keine ungenutzten Reserveflächen für beliebige Bauprojekte, sondern die Grundlage unserer regionalen Lebensmittelversorgung.“
Der Bauernverband sieht sich dabei im Einklang mit der europäischen Spitzenpolitik. So betrachte EU-Agrarkommissar Hansen die Landwirtschaft längst als Teil der Sicherheitspolitik, da Ernährungssicherheit ein Machtfaktor sei und Europa die Kontrolle über die Produktion nicht verlieren dürfe. Auch EZB-Chefin Lagarde warne vor steigenden Lebensmittelkosten durch weltweite Krisen. „Wer die Bedeutung regionaler Lebensmittelproduktion nicht erkennt, hat die zentralen Herausforderungen unserer Zeit nicht verstanden“, so Weber weiter. Ein begrüntes Wohngebiet mit Bäumen und Grünstreifen könne echten Ackerboden niemals ersetzen.
Die Stellungnahme der Landwirte trifft auf verschiedene Forderungen der Gmünder Kommunalpolitik. Während die CDU die Erleichterungen für Bauherren – etwa bei den Fußbodenhöhen, was auch die SPD unterstützt – im Blick hat, fordern andere Fraktionen deutlich strengere Regeln. Die Grünen kündigten bereits an, sich wegen der hohen Bebauungsdichte und fehlender Vorgaben zur Fassadenbegrünung zu enthalten. Fraktionschef Gabriel Baum stellte klar, dass zwischen einer Wiese und einem Baugebiet ein Unterschied bestehe.
Noch weiter geht die söl: Fraktionschef Sebastian Fritz forderte verbindliche Vorgaben für den Geschosswohnungsbau, um die angestrebte Dichte von 69 Einwohnern pro Hektar zu sichern. Andernfalls drohe man, zum Getriebenen zu werden. Dem hielt Oberbürgermeister Richard Arnold vehement entgegen: „Was wir jetzt brauchen, ist Luft zum Atmen.“ Starre Regeln würden künftige Entwicklungen blockieren.
Der Bauernverband fordert nun interfraktionell ein Umdenken. Der leichtfertige Umgang mit wertvollem Boden dürfe nicht zur Normalität werden, warnt Weber abschließend: „Wenn der Bauer nichts mehr wert ist, ist das Essen bald unbezahlbar.“ Das letzte Wort über den Bebauungsplan hat nun der Gemeinderat.
Copyright Rems Zeitung, 09.06.2026
