Mehr als ein Treffpunkt: Erinnerungen und Wünsche für die Zukunft des Esperanza

Ehemalige und Aktive blicken zurück auf 25 Jahre: Warum das Esperanza für viele ein zweites Zuhause und ein Ort der Selbstverwirklichung ist.
Schwäbisch Gmünd. „Es ist ein Ort, an dem alles möglich ist.“ – Das Esperanza in Schwäbisch Gmünd ist für viele mehr als ein einfacher Ort zum Zeitvertreib. Es ist ein Ort, an dem Freundschaften und Erinnerungen entstehen, alle willkommen sind und gemeinsam an einem Strang ziehen. Ein Lebensgefühl und eine Haltung, die nun 25 Jahre alt wird. Eine Gelegenheit, um zurückzublicken: auf schöne Momente, besondere Begegnungen und auch Herausforderungen.
Im Backstage-Raum des Esperanza in der Benzholzstraße sitzen sechs Menschen zusammen, die die vergangenen 25 Jahre des selbstverwalteten Jugendkulturzentrums mitgestaltet haben und auch die Zukunft prägen werden.
Wenn ihr ans Esperanza denkt, was ist das erste Bild oder die erste Erinnerung?
„Das ist gar nicht so konkret eine Erinnerung“, sagt Jule, die seit 2012 im Esperanza viel organisiert und sich um Konzepte kümmert. „Ich denke an die Sommer hier, ans Basketballspielen und die Möglichkeit, sich hier einbringen zu können.“ Für Martin, der seit 2002 dabei ist, ist es mehr ein Gefühl oder ein Zustand: „Selbstbestimmung“, sagt er. Auch für Benjamin ist es weniger greifbar: „Es sind die Möglichkeiten, die das Esperanza bietet. Der Freiraum.“ Jeder, der hierher kommt, könne sich ausleben, sagt Matthai: „Du kannst hier draußen grillen, Freunde treffen, Bands zuhören, an Fahrrädern schrauben und wenn du hier lernen willst, findest du auch einen Platz.“ Es ist das Do-it-yourself-Gefühl, das Anpacken, Selber-Machen und selbst Bestimmen, das sie hier schätzen. Und die Verantwortung, die man als selbstverwaltetes Jugendkulturzentrum trägt – mit allen Konsequenzen.
„Vor Kurzem hat hier jemand geheiratet“, sagt Matthai. „Das war echt schön, dass Esperanza so geschmückt und anders zu sehen. Der Raum war gefüllt mit Liebe bis oben hin.“ Für Benjamin waren es die Poetry-Slams, die er zu den Literaturtagen im Espe veranstaltet hat. Damit sei auch wieder ein ganz anderes Klientel ins Esperanza gekommen. Es sind die Lesungen, die Vernissage oder auch „das Konzert draußen – im März“, an das sich Martin mit einem Lachen erinnert. „Aber die Leute kamen. Dann eben in dicker Winterjacke.“ Eine besondere Erinnerung war der Besuch von Esther Bejarano, der Überlebenden der Konzentrationslager Auschwitz und Ravensbrück. „So einer Persönlichkeit gegenüberzustehen und mit ihr zu sprechen, ist absolut beeindruckend“, erinnert sich Benjamin.
Abseits aller Veranstaltungen: Welches war euer schönster Moment?
„Man findet hier wirklich Freunde fürs Leben“, sagt Jule. „Ich denke da an die vielen Sachen, die man zusammen erarbeitet. Und das verbindet anders.“ So geht es auch Jasmin, die seit 2021 dabei ist. „Ich habe mich da in der Vergangenheit schwergetan. Aber hier ist der Zusammenhalt da und man wächst zusammen.“ Zorro fand übers Esperanza vor etwa zwei Jahren den Einstieg in die Szene, in die Denke, wie er beschreibt: „Das schweißt zusammen.“ Für Martin und Benjamin ist es auch die Vernetzung, die vielen Leute, die sie über die Jugendkulturinitiative (JKI) kennengelernt haben – deutschland- und auch europaweit.
Was waren die größten Herausforderungen der letzten 25 Jahre?
Sie alle sind sich einig: Finanzen. Die Kürzungen der Stadt waren ein Tiefschlag, findet Benjamin. In 25 Jahren seien die immer mal wieder im Gespräch gewesen, hätten im Gemeinderat aber nie eine Mehrheit gefunden. Martin erinnert sich noch an die Anfänge des Esperanza: „Da hieß es oft: ,Das hält sich eh nicht lang.'“ Am Anfang lief es gut. „Nach wenigen Jahren begannen die ersten Kürzungsattacken.“ Vor rund zehn Jahren sei es knapp gewesen, aber die CDU sei knapp überstimmt worden, die Kürzungen damit abgewendet, erinnert sich Matthai. 2026 ging es anders aus.
Welche Konsequenzen hatten die Kürzungen der Stadt um rund 28 Prozent?
Die JKI rief zu Spenden und neuen Mitgliedschaften auf. „Die Solidarität aus der Bevölkerung freut uns“, sagt Jule. „Wir haben viele Spenden durch die Aufrufe bekommen“, sagt Martin. „Aber mehr ist natürlich immer besser. Es gibt da keinen Mindest- und keinen Höchstbeitrag“, sagt er lachend. Hintergrund ist, dass die Veranstaltungen im Esperanza nicht auf Profit ausgelegt sind. Das Programm soll für alle zugänglich sein – hohe Ticketpreise sind da keine Option.
Die Getränkepreise wurden erhöht. „Das wollten wir eigentlich nicht“, so Jule. Denn das Esperanza soll auch bezahlbar sein für die mit kleinerem Geldbeutel. Auch auf den Kulturbetrieb hat die Kürzung Auswirkungen: „Wir müssen schon genau überlegen, welches Konzert noch drin ist. Und dann kann es eben sein, dass Veranstaltungen schlichtweg nicht stattfinden.“
Was hat sich in 25 Jahren verändert?
„Es ist nicht die gleiche Soße“, beginnt Martin und Benjamin vervollständigt: „Aber die gleiche Basis.“ Der Laden habe sich weiterentwickelt, findet Matthai und spricht zum Beispiel das Thema Awareness an, das in den vergangenen Jahren besonders wichtig wurde. „Auch der Umgang miteinander“, findet Benjamin. „Wir haben uns gesellschaftlich weiterentwickelt. Heute setzen wir uns ganz anders mit zum Beispiel LGBTQ+ auseinander.“ Und in Sachen Veranstaltungen und Konzerte bringe jeder einen anderen Hintergrund mit und prägt damit auch das Esperanza.
Welchen Wunsch habt ihr für die nächsten 25 Jahre Esperanza?
„Dass wir hier Kultur auch weiterhin für alle zugänglich anbieten können“, sagt Jule. „Und dass das wertgeschätzt wird.“ Für Benjamin ist es wichtig, dass der Raum erhalten wird: „Und dass noch viele diesen Freiraum, wie ich ihn erlebt habe, auch erleben können.“ Martin hofft, dass auch in Zukunft nicht-kommerzielle Kulturangebote und Freizeitgestaltung, die für möglichst viele bezahlbar ist, erhalten bleibt. Außerdem ist allen im Raum wichtig, dass die Grundsätze (Freiraum, Vielfalt, Selbstbestimmung) sowie die Selbstverwaltung und die gelebte Basisdemokratie erhalten bleiben.
Zwei Tage Festival mit 18 Bands und geheimem Programm zum 25-jährigen Bestehen
Seit 2001 ist das Esperanza der Ort für Kultur in Selbstverwaltung in Schwäbisch Gmünd. Das 25-Jährige wird am 24. und 25. Juli gefeiert werden. An zwei Tagen treten 18 Bands auf. Das Line-Up bleibt geheim, nur so viel: Es wird bunt. „Wir haben was aus allen Genres dabei: Es gibt Hip-Hop, Punk und Jazz“, verrät Jule. Und Jasmin gibt noch einen Hinweis: „Es sind alles Bands, die schon mal im Espe gespielt haben.“ Wer neugierig ist, kann auf der Instagram-Seite vorbeischauen, dort wird’s versteckte Hinweise geben. Eröffnen wird das Wochenende das Kreuzberger Chorkollektiv. Eine Hüpfburg für die Jüngeren steht bereit, es wird Essen und Getränke, auch Kaffee und Kuchen geben. Oder wie Jasmin zusammenfassend sagt: „Es lohnt sich!“
Tickets gibt’s im Vorverkauf unter tixforgigs.com/
Copyright Gmünder Tagespost, 05.06.2026
