Betreuungsentgelte Schulen
Aus der heutigen Rems Zeitung: Die Betreuungskosten für Schulkinder in Schwäbisch Gmünd steigen deutlich an, wenn der Gemeinderat seinen Segen gibt. Grund sind unter anderem gestiegene Personal- und Lebensmittelpreise. Wie die Stadt die Qualität sichern will und welche Unterstützung es für Einkommensschwache gibt.
Für viele Familien in Schwäbisch Gmünd gehört die Betreuung nach dem Unterricht zum festen Alltag. Doch dieser Alltag wird teurer: Gemäß einer aktuellen Vorlage des Bürgermeisteramtes sollen sowohl die Gebühren für die Betreuungsmodule als auch die Preise in den Mensen deutlich steigen.
Warum steigen die Preise?
Die Stadtverwaltung führt mehrere Gründe für diesen Schritt an. Ein wesentlicher Faktor ist die wirtschaftliche Lage: Die bisherigen Entgelte decken die tatsächlichen Kosten bei weitem nicht ab. So lag der Kostendeckungsgrad in der Ganztagsschule zuletzt bei lediglich 25 Prozent. Steigende Personalkosten, Ausgaben für Fortbildungen und die allgemeine Preissteigerung bei Lebensmitteln zwingen die Stadt zum Handeln.
Zudem ändert sich die rechtliche Lage: Ab dem Schuljahr 2026/27 greift das Ganztagsfördergesetz, welches die Schulkinderbetreuung von einer freiwilligen zu einer Pflichtaufgabe der Kommune macht. Dennoch bleibt alles, was über den gesetzlichen Mindestanspruch hinausgeht, eine freiwillige Leistung, für die ein höherer Kostendeckungsgrad angestrebt wird.
Die Schulkinderbetreuung: Ende des Rabattsystems
Die wohl gravierendste Änderung bei der Betreuung ist der Wegfall des bisherigen Rabattsystems. Künftig wird jedes Modul – also die Zeit vor oder nach dem Unterricht an einem bestimmten Wochentag – mit einem Pauschalbetrag abgerechnet. Konkret bedeutet das für das erste Kind:
• Wer eine 5-Tage-Betreuung bucht, zahlte bisher 40 Euro im Monat. Künftig werden 60 Euro fällig.
• Bei zwei Tagen steigen die Kosten von 19 Euro auf 24 Euro.
• Für Geschwisterkinder gibt es weiterhin eine Staffelung (10 Euro für das zweite, 8 Euro für das dritte Kind pro Modul), doch auch hier steigen die Preise in der Spitze deutlich an. Zusätzlich werden die Öffnungszeiten an Ganztagsgrundschulen auf den Korridor von 7 bis 16.30 Uhr angepasst, wobei Randzeiten mit schwacher Auslastung gekürzt werden.
Mittagessen: Qualität hat ihren Preis
Auch beim Schulessen müssen Eltern tiefer in die Tasche greifen. Ein Mittagessen kostet die Stadt in der Bereitstellung durchschnittlich 8,10 Euro, wovon der Warenwert nur 2,50 Euro ausmacht – der Rest entfällt auf Personal, Logistik und Bio-Qualität. Ab dem kommenden Schuljahr steigen die Preise wie folgt:
• Grundschüler: von 4,00 Euro auf 5,00 Euro pro Essen.
• Sekundarschüler: von 4,30 Euro auf 5,50 Euro pro Essen.
Die Stadt betont, dass die Qualität durch regionale Herkunft und Bio-Standards gesichert bleiben soll, die letzte Erhöhung jedoch bereits zwei Jahre zurückliegt. Trotz der Erhöhungen gibt es einen Schutzschirm für einkommensschwache Familien. Über Leistungen für Bildung und Teilhabe (BuT) können die Kosten übernommen werden. Aktuell nehmen rund 18 Prozent der Kinder in der Betreuung diese Unterstützung in Anspruch.
Vorschlag spaltet Gremium: Tragbar bis „Kriegsfuß“
Der Vorstoß der Stadtverwaltung blieb im Verwaltungsausschuss nicht ohne Diskussion. Für CDU-Fraktionschef Alfred Baumhauer ist es eine „moderate Steigerung“ bei den Kosten für die Eltern, der Eigenanteil der Stadt sei immer noch beträchtlich. Zudem lobte er die Qualität der Betreuung und des Essensangebots. Die Erhöhung sei im Rahmen und seine Fraktion könne diese mittragen. Stadträtin Sabine Braun äußerte sich kritisch bei den eingegrenzten Randzeiten. Das sei „immer schwierig“. Auch, wenn die Nachfrage dort überschaubar sei: „Die wenigen Kinder sind ja trotzdem betroffen.“
Sehr kritisch beurteilte SPD-Fraktionsvorsitzende Sigrid Heusel die Pläne der Stadt. Mit den Erhöhungen stehe sie „auf Kriegsfuß“. Dass die Stadtkasse angeschlagen ist, sei bekannt. Dennoch gibt sie zu bedenken, „ob unbedingt die Schulkindbetreuung das geeignete Objekt ist“, um den Rotstift anzusetzen. Die Erhöhungen setzten sich in allen Bereichen durch, und „da hält keine Gehaltserhöhung der letzten Jahre mit.“
Bürgermeister Baron: „Uns macht das doch keinen Spaß“
Erster Bürgermeister Christian Baron wollte Heusels Argumentation nicht widersprechen, verwies aber an den Auftrag des Gemeinderats an die Verwaltung, nach Einsparmöglichkeiten Ausschau zu halten. „Uns macht das doch keinen Spaß“, erklärte Baron. Er verteidigte die Kosten für Mittagessen für 5, beziehungsweise 5,50 Euro. In der privaten Küche schaffe man es vielleicht gerade so, für diesen Preis eine vollwertige Mahlzeit zuzubereiten. Außerdem führte er erneut an, dass Eltern, welche die Kosten wirklich nicht stemmen könnten, auf Unterstützung von der öffentlichen Hand durch Bildung und Teilhabe zählen können.
Diese Unterstützung sei „schön und gut“, konterte Häusler. Familien, die jedoch knapp oberhalb der Einkommensgrenze für Bildung und Teilhabe sind, treffe es „umso härter“. Eine Meinung, die auch söl-Fraktionschef Sebastian Fritz vertrat: Familien, die gerade genug verdienen, um kein Anrecht auf BuT zu haben, treffe es „mit voller Wucht“. Zudem könne die Prüfung von Anträgen auf Bildung und Teilhabe teilweise sehr lange dauern. Er tue sich schwer, von moderaten Erhöhungen zu sprechen, und schlug vor, den Preis für Mittagessen einheitlich auf 5 Euro festzulegen.
Brigitte Abele (Bürgerliste) schloss sich Heusel inhaltlich an, erkannte aber dennoch die Notwendigkeit einer Preisanpassung. „Uns bleibt ja gar nichts anderes übrig.“ Peter Vatheuer (FDP / FW) forderte Gegenvorschläge zur Finanzierung von den Kritikern, wenn die Kosten nicht an Eltern weitergegeben werden sollen. Denn angesichts der Haushaltslage und in einem „Sozialstaat, der weltweit seinesgleichen sucht“, komme man nicht umhin, die Kosten anzupassen.
Das letzte Wort in der Debatte hat der Gmünder Gemeinderat, dessen nächste Sitzung am Mittwoch, 25. März, ansteht.
Copyright Rems Zeitung, 13.03.2026
