Die Folgen einer intransparenten Kulturpolitik
Aus der heutigen Rems Zeitung: Beim Gmünder Stadtfest fällt in diesem Sommer das Familienprogramm am Mühlbergle ersatzlos weg. Dies ist der erste konkrete Verlust einer Sparpolitik nach der Rasenmähermethode und einer intransparenten Kulturpolitik.
Das Gmünder Stadtfest verliert in diesem Sommer einen wichtigen Teil seines Charakters. Wenn das beliebte Familienprogramm am Mühlbergle ersatzlos gestrichen wird, fällt der Anspruch, ein Fest für alle Generationen zu sein. Dass Schwäbisch Gmünd in einer prekären Haushaltslage sparen muss, steht außer Frage. Doch wenn Sparbeschlüsse dazu führen, dass etablierte Angebote für Kinder und Jugendliche wegbrechen, wird die Zukunft der Stadt falsch priorisiert.
Der Ausfall am Mühlbergle zeigt schmerzhaft die Kettenreaktion zweier jüngster Entscheidungen. Zum einen hat die Streichung der kleinen 25-Prozent-Stelle beim Stadtjugendring tragende Strukturen zerschlagen. Das zeigt: Ehrenamt ist kein kostenloser Reparaturbetrieb; ohne hauptamtliches Fundament sind komplexe Großveranstaltungen nicht zu stemmen.
Kulturkampf statt Debatte
Zum anderen hinterlässt die Debatte um das Kulturzentrum Esperanza einen faden Beigeschmack. Im Gemeinderat konnte man phasenweise den Eindruck gewinnen, hier werde ein konservativer Kulturkampf gegen eine ungeliebte Einrichtung geführt, statt sich offen mit Jugendkultur auseinanderzusetzen. Wer einer der wenigen alternativen, raueren Institutionen finanziell die Luft abschnürt, gefährdet die Vielfalt, die eine lebendige Stadt benötigt.
Dass sich diese Konflikte so zuspitzen, liegt auch an einer mangelnden Transparenz. Die Gmünder Kulturpolitik wird zu oft abseits der Bürger diskutiert. Der an sich verdienstvolle Arbeitskreis Kultur läuft Gefahr, zu einem geschlossenen Zirkel der immer gleichen Akteure zu werden, der ausschließlich nicht öffentlich tagt. Doch gerade Kultur und die Verteilung schrumpfender Gelder leben vom offenen, demokratischen Diskurs.
Eine vitale Stadt muss Räume für alle bieten – von der Hochkultur über das alternative Jugendzentrum bis zum bunten Familienfest. Das Aus für das Kinderprogramm ist das erste konkrete Opfer einer Sparpolitik nach der Rasenmähermethode. Stadtverwaltung und Gemeinderat sollten diesen schmerzhaften Verlust als Warnsignal begreifen, um Kultur- und Jugendpolitik künftig transparenter zu gestalten.
