Familien entlasten, Wald schützen, bezahlbaren Wohnraum schaffen: söl e.V. hört auf dem Wochenmarkt zu
Steigende Gebühren, Pflegeheim-Neubau, hochpreisiges Wohnen und Klimaschutz: Beim Infostand des söl e.V. wurde deutlich, welche Themen die Menschen in Schwäbisch Gmünd bewegen.
Am vergangenen Samstag war der söl e.V. aus Schwäbisch Gmünd mit einem Infostand am Rande des Wochenmarktes präsent. Zahlreiche Mitglieder verteilten Flyer und Give-aways, kamen mit den Besucher:innen ins Gespräch und sammelten Anregungen für die Zukunft der Stadt. An einer Stellwand konnten die Menschen ihre Wünsche und Vorschläge direkt festhalten. Diese werden nun gemeinsam mit der söl-Fraktion auf ihre Umsetzbarkeit geprüft und sollen bei den kommenden Haushaltsberatungen eingebracht werden.
Familien brauchen eine Atempause
Besonders viel Zuspruch erhielten die söl-Mitglieder für ihre Forderung, der stetig wachsenden finanziellen Belastung von Familien endlich Einhalt zu gebieten. Ob Jahr für Jahr steigende Kita-Gebühren oder die jüngst beschlossene deutliche Erhöhung der Essensgebühren in den Schulmensen: Für viele Familien wird es immer schwieriger, die zusätzlichen Kosten zu stemmen.
Amelie Kurz bringt die Forderung auf den Punkt: „Familien dürfen nicht zur Dauerreserve für steigende kommunale Kosten werden. Wir müssen uns ehrlich fragen, wie viel zusätzliche Belastung wir ihnen noch zumuten wollen. Es braucht eine Atempause und eine Haushaltspolitik, die die Lebensrealität der Menschen ernst nimmt.“
Pflegeheim ja – Waldrodung nein
Auch der geplante Neubau eines Pflegeheims beschäftigte die Wochenmarktbesucher:innen. Viele sprachen sich für einen Neubau aus, stellten aber infrage, ob dafür ein Waldstück im Rehnenhof weichen soll. Für den söl e.V. gehört beides zusammen: eine gute Versorgung älterer Menschen und der Schutz wertvoller Naturflächen.
Nadja Anjol betont: „Wir brauchen eine verlässliche Pflegeinfrastruktur. Aber wir dürfen den Neubau eines Pflegeheims nicht automatisch mit der Aufgabe eines Waldstücks gleichsetzen. Wir müssen ernsthaft prüfen, welche Alternativen es gibt, und soziale Verantwortung und Naturschutz gemeinsam denken.“
Bezahlbarer Wohnraum statt immer höherer Preise
Kritische Nachfragen gab es auch zur geplanten Bebauung an der Schapplachhalde. Besucher:innen hinterfragten sowohl die Dimension des Vorhabens als auch die zu erwartenden hohen Wohnkosten. Schwäbisch Gmünd brauche vor allem mehr bezahlbaren Wohnraum, damit Menschen mit unterschiedlichen Einkommen in der Stadt leben können.
Uschi Seiz hebt dabei besonders die Bedürfnisse älterer Menschen hervor: „Wir brauchen mehr bezahlbaren Wohnraum für alle – aber wir dürfen gerade die älteren Menschen nicht vergessen. Wer im Alter eine kleinere, passende und bezahlbare Wohnung sucht, muss in Schwäbisch Gmünd eine echte Perspektive haben. Wohnen muss in jeder Lebensphase bezahlbar und lebenswert bleiben.“
Aus Sicht des söl e.V. muss Stadtentwicklung deshalb stärker an den tatsächlichen Bedürfnissen der Bevölkerung ausgerichtet werden. Neue Wohnungen allein reichen nicht aus, wenn sie für viele Menschen finanziell außer Reichweite bleiben.
Mehr Radwege, mehr Grün, konsequenter Klimaschutz
Die anwesenden Fraktionsmitglieder Regina Krieg, Andreas Dionyssiotis und Sebastian Fritz wurden wiederholt aufgefordert, sich weiterhin für einen starken Klimaschutz, Verbesserungen für Fußgänger:innen allen Alters und endlich mehr Radwege und mehr Grün in der Innenstadt einzusetzen. Die Rückmeldungen zeigen, dass eine lebenswerte Stadt für viele Menschen auch bedeutet, sichere Alternativen zum Auto zu schaffen, die Aufenthaltsqualität zu verbessern und die Folgen des Klimawandels bei der Stadtplanung konsequent mitzudenken.
Jan Schneider erklärt: „Klimaschutz darf nicht bei schönen Absichtserklärungen stehen bleiben. Wir brauchen konkrete Verbesserungen im Alltag: mehr sichere Radwege, mehr Grün und eine Innenstadt, in der Menschen gerne unterwegs sind und sich aufhalten. Diese Themen müssen bei den Entscheidungen der Stadt einen festen Platz haben.“
Bezahlbarer Nahverkehr für alle
Auch der öffentliche Nahverkehr wurde kritisch angesprochen. Die Besucher:innen bemängelten hohe Fahrpreise, überfüllte Busse auf einzelnen Linien und ein unzureichendes Angebot im ländlichen Raum. Der söl e.V. sieht darin den Auftrag, sich für einen bezahlbaren, zuverlässigen und bedarfsgerechten Nahverkehr einzusetzen.
Mehr Bildung und Schulsozialarbeit
Die Rückmeldungen machten deutlich, dass es mehr Sprach- und Demokratiebildung braucht. Kritisch gesehen wurde auch die Kürzung der Schulsozialarbeit durch die Stadt Schwäbisch Gmünd. Statt Kürzungen brauche es angesichts der vielfältigen Herausforderungen für Kinder und Jugendliche vielmehr einen Ausbau der Unterstützung an Schulen.
Demokratie lebt vom Widerspruch
Natürlich gab es am Infostand nicht nur Zustimmung. In einzelnen Gesprächen vertraten Besucher:innen andere Positionen und widersprachen den Anliegen des Vereins. Für den söl e.V. ist das kein Grund, den Dialog zu scheuen – im Gegenteil.
Thomas Jack Wanner sagt dazu: „Demokratie bedeutet nicht, dass alle einer Meinung sein müssen. Sie lebt davon, dass wir unterschiedliche Standpunkte aushalten, miteinander diskutieren und uns gegenseitig zuhören. Entscheidend ist, dass wir demokratische Grundwerte verteidigen und uns denjenigen entgegenstellen, die diese infrage stellen.“
Zuhören allein reicht nicht – jetzt müssen Taten folgen
Für den söl e.V. war der Infostand mehr als eine Gelegenheit, Flyer zu verteilen. Die Gespräche haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Anliegen der Menschen direkt aufzunehmen und in die kommunalpolitische Arbeit einzubringen.
Kevin Kärcher zieht ein positives Fazit: „Solche Begegnungen sind unheimlich wertvoll. Wir bekommen unmittelbar mit, was die Menschen beschäftigt, wo sie sich Veränderungen wünschen und wo sie anderer Meinung sind. Genau dieser Austausch gehört zu einer lebendigen Demokratie. Wir werden das Format deshalb bald wiederholen.“
Die gesammelten Vorschläge werden nun mit der söl-Fraktion besprochen und auf ihre Umsetzbarkeit geprüft. Ziel ist es, konkrete Anliegen in die anstehenden Haushaltsberatungen einzubringen.
