„Schon wieder eine Erhöhung“: Gmünder Elternbeiräte schlagen Alarm
In Schwäbisch Gmünd steigen die Kindergartengebühren erneut. Familien kritisieren hohe Beiträge, gekürzte Betreuungszeiten und das Timing der Stadt.
Schwäbisch Gmünd. Vielen Eltern reicht es: Der Gemeinderat hat erneut beschlossen, die Gebühren für Kindergärten und Kleinkindgruppen zu erhöhen – gegen die Stimmen der SPD- und der söl-Fraktion. Schon wieder eine Erhöhung der Elterngebühren, sagt Felix Unseld vom Gesamtelternbeirat der Gmünder Kindergärten. Sein mittlerweile fünfjähriger Sohn ist seit 2022 in der Kinderinsel auf dem Rehnenhof. Seither habe es kein Jahr ohne Gebührenerhöhung gegeben.
903 Euro für die Betreuung
„Die Elternbeiträge sind in den vergangenen fünf Jahren um rund 31 Prozent gestiegen“, hat er berechnet. Die Familie bezahlt für die Betreuung des Fünfjährigen (zehn Stunden) und der zweijährigen Tochter (acht Stunden) inklusive Essen 903 Euro im Monat, der August ist beitragsfrei. Wohlgemerkt: Das ist der Stand vor der nächsten Erhöhung.
Viele Familien können sich das schlicht nicht mehr leisten, weiß Felix Unseld. Damit meint er Leute aus dem Mittelstand, deren Einkommen etwas über der Grenze liegt, bei der sie Unterstützung vom Staat bekommen würden. Wer Wohngeld oder andere staatliche Leistungen bekommt, muss keine Kindergartengebühren bezahlen. Familien, die dafür etwas zu viel verdienen, können jetzt rechnen: Lohnt es sich für sie angesichts der hohen Gebühren überhaupt noch, so viel arbeiten zu gehen?
Frauen geben den Beruf auf
Oft seien es dann die Frauen, die ihren Beruf aufgeben, weiß Ina Dann vom Elternbeirat des Kinderhauses Kunterbunt. Sie zahlen entsprechend weniger für ihre Rente ein, sind im Alter wahrscheinlich auf Grundsicherung angewiesen. Leistungen vom Staat, dem zudem aktuell die Lohnsteuer für die Arbeit der Frau entgeht. Am Ende sei der öffentlichen Hand also nicht geholfen. Zumal nicht allein die Gebührenerhöhung dazu führe, dass es sich für manche nicht mehr lohnt, zu arbeiten – beziehungsweise mehr so viel zu arbeiten. Die Stadtverwaltung kürzt die Kinderbetreuung in manchen Einrichtungen gemäß Beschluss vom Frühjahr im Zuge der Kinderbedarfsplanung um eine Stunde.
Keine Chance auf Vollzeit
Wer Vollzeit arbeitet, nur eine halbe Stunde Mittagspause mache und einen weiteren Fahrtweg habe, brauche zehn Stunden Betreuung, erklärt Felix Unseld. Zumal für einige Eltern, denen acht Stunden reichen, auch interessant sei, wann der Kindergarten schließt, ergänzt Ina Dann. Denn nicht alle Leute können selbst entscheiden, wie früh sie am Morgen mit der Arbeit beginnen und wann sie Feierabend machen. „Eine Verkürzung der Betreuungszeit ist auch ein Angriff auf die Finanzierbarkeit der Betreuung“, sagt Felix Unseld. Schließlich hängt von der möglichen Arbeitszeit das Gehalt ab.
Einkommensabhängige Beiträge
Er und andere Elternbeiräte sehen den Sparzwang der Stadt und wissen, dass Kinderbetreuung hohe Kosten verursacht. Svetlana Hanagarth vom Elternbeirat des Kinderhauses Kunterbunt plädiert darum für einkommensabhängige Elternbeiträge. Dies zu berechnen, sei ein Riesenaufwand, hat Erster Bürgermeister Christian Baron in einer Sitzung der Stadtverwaltung, der Gemeinderatsfraktionen, der Kindergartenträger und dem Gesamtelternbeirat erklärt. Doch die Elternbeirätin ist sich sicher, dass das in Zeiten der Digitalisierung durchaus leistbar sein müsste. Zumal sie die Prioritäten der Stadt bei der Haushaltskonsolidierung infrage stellt. „Bildung statt Blumen“, plädiert sie dafür, weniger in die Beete der Innenstadt zu investieren und dafür Eltern weniger zur Kasse zu bitten.
Kritik am Timing der Stadt
Zumindest sollte offen diskutiert werden, ob Familien den richtigen Anteil an den Sparmaßnahmen der Stadt tragen oder ob andere Prioritäten möglich wären, fordert Felix Unseld. Dazu gehöre für ihn, die Eltern rechtzeitig einzubinden. „Die gemeinsamen Empfehlungen der kommunalen Landesverbände und Kirchen lagen den Kommunen bereits seit 21. April 2026 vor“, erklärt er. Dennoch sollte der Gemeinderat erst wenige Wochen vor Beginn des neuen Kindergartenjahres entscheiden: kurz vor der Umsetzung im September also.
„Eine Entscheidung mit so weitreichenden Auswirkungen auf nahezu alle Familien mit kleinen Kindern hätte aus meiner Sicht eine frühere politische Beratung, mehr Transparenz und einen angemessenen zeitlichen Vorlauf verdient“, betont er. Nur so hätten Eltern ausreichend Gelegenheit gehabt, sich mit den Hintergründen auseinanderzusetzen, ihre Sichtweise in die öffentliche Debatte einzubringen, sich auf die finanziellen Auswirkungen einzustellen und gegebenenfalls auch mit dem Arbeitgeber über eine Arbeitszeitverkürzung sprechen zu können.
Allen ist es nie recht
Doch die Sitzung mit dem Elternbeirat sei am 14. Juli gewesen – ein Tag vor der Diskussion im Ausschuss am 15. Juli und acht Tage vor dem Gemeinderatsbeschluss am 22. Juli. Das sei keine böse Absicht gewesen, sagt Christian Baron. In Zukunft könne die Verwaltung solche Treffen mit dem Gesamtelternbeirat gerne früher terminieren. Die Einbindung der Eltern sei ihm wichtig. Allerdings bezweifle er, dass Eltern, Verwaltung und Fraktionen sich auf Elternbeiträge einigen können, mit denen am Ende alle zufrieden sind.
Die Zukunft unserer Stadt
Carolin Lang, Elternbeirätin im Kinder- und Familienzentrum Paradiesstraße, wünscht sich dabei, dass sich alle bewusst machen: Gute Bildung beginnt nicht erst in der Schule, sondern im Kindergarten. Und: „Unsere Kinder sind keine Kostenstelle. Sie sind die Zukunft unserer Stadt.“
Copyright Gmünder Tagespost, 27.07.2926
