Hohe Zahlen bei Kindern und Älteren: So geht Schwäbisch Gmünd mit Armut um
In der Stauferstadt leben überdurchschnittlich viele arme Menschen – das zeigen die Zahlen im regionalen Vergleich. Was die Stadtverwaltung dazu sagt.
Schwäbisch Gmünd. Egal ob Armut bei Kindern, bei Jugendlichen oder im Alter: Schwäbisch Gmünd weist hohe Zahlen in allen Bereichen vor. Warum sind prozentual deutlich mehr Menschen in der Stadt von Armut gefährdet als im Kreis und im Land? Und welche Lösungen sieht die Stadt?
Stadtrat: „Das sind ja heftige Zahlen“
Ein warmes Mittagessen in der Schulmensa kostet Geld. Manche Familien in Schwäbisch Gmünd bekommen dafür Mittel vom Bund, weil sie sich das selbst nicht leisten können. Klappt das reibungslos, lautete die Anfrage der söl-Fraktion an die Stadtverwaltung.
Ja, antwortete Bürgermeister Christian Baron im Ausschuss für Bildung, Gesundheit und Soziales – und lieferte Daten, die nicht nur Andreas Dionyssiotis aufhorchen ließen. „Das sind ja schon heftige Zahlen“, urteilte der söl-Stadtrat.
Gmünd überholt mit 12,9 Prozent Anteil bei der Kinderarmut den Wert in Baden-Württemberg (9,2) um fast vier Prozentpunkte. Im Landkreis sind es sogar nur 7,7 Prozent. Auch bei in Armut lebenden Jugendlichen steht Gmünd (11,1) an der Spitze vor Land (8,2) und Ostalbkreis (6,3). Von den Älteren leben in der Stadt 3,6 Prozent in Armut, ebenfalls deutlich mehr als im Land (2,9) und im Kreis (2,2). Die Zahlen stammen aus dem Sozialbericht der Bertelsmann-Stiftung und beziehen sich auf das Jahr 2023.
Das sagt der Bürgermeister
„Erst wenn man schaut, wie es in Aalen, in Göppingen, in Schorndorf und anderen größeren Städten aussieht, wird es so richtig aussagekräftig“, meint Bürgermeister Baron auf Nachfrage dieser Redaktion. Denn es sei ja nichts Neues, dass die Bevölkerung in den Städten anders strukturiert sei als im ländlichen Raum. „Deswegen bin ich nicht beunruhigt, denn ich gehe davon aus, dass das sicherlich was mit unserem städtischen Gepräge zu tun hat.“
Christian Baron: „Müssen Antennen schärfen“
Baron macht aber auch klar: „Wir wissen, dass wir da ein Problem haben. Dass es Situationen gibt, die schwierig sind, vor allem für Kinder.“ Wie erfährt die Stadtverwaltung von Menschen, die von Armut bedroht sind oder bereits in ihr leben? Gerade die sind ja oft nicht laut oder sichtbar, bestätigt der Bürgermeister: „Wir müssen unsere Antennen und unsere Wahrnehmung für diese Gruppen besonders schärfen, sonst geraten die in einen toten Winkel.“
Und wie schärft die Stadt ihre Antennen? „Wir haben viele Organisationen und Einrichtungen – auch bei uns in der Stadtverwaltung – die uns einen Einblick gewähren.“ Zum Beispiel die Sozialberatung oder die städtische Jugendarbeit.
Hilfen für Kinder und Jugendliche
Aber vor allem die Schulen: Dank der Schulpflicht tauchen dort auch die ärmsten Kinder auf, hebt Baron hervor. „Da bekommen wir viel mit direkt über Lehrkräfte, Schulleitungen und Sekretariate.“
Baron verweist auf konkrete Hilfen für betroffene Kinder und Jugendliche. Etwa das Bildungs- und Teilhabepaket, über das sie neben dem Geld fürs Mittagessen auch Vereinsmitgliedschaft, Musikunterricht oder Klassenfahrt teilweise bezahlt bekommen. „Das Geld kommt vom Bund, und wir sind froh, wenn das bei möglichst vielen ankommt.“ Auch zahlreiche Vereine leisten Unterstützung. Und die Stadt biete nicht zuletzt den städtischen Familienpass und die Bonuskarte, „die für etwas finanzielle Erleichterung sorgen können“.
Welche Sorgen existieren?
Frauen helfen Frauen, der Tafelladen, Caritas, Diakonie, a.l.s.o. und viele Akteure mehr bieten Unterstützung und Hilfen – und berichten der Stadt regelmäßig, wie die Lage bei ihrer Klientel ist, sagt Baron. Oder was die Menschen konkret brauchen: „Das bekomme ich auch mit, wenn ich bei „Gmünd isst besser“ bin“, nennt der Bürgermeister das jährliche soziale Essensangebot.
Dort erfahre er von Sorgen, wie Menschen ohne Auto ihre Einkäufe in den Bus bekommen sollen. „Oder über die medizinische Versorgung. Ich denke, es ist ganz wichtig, dass wir die Probleme, die es gibt, als solche erkennen und uns nichts vormachen.“
So versucht die Stadt zu helfen
Es sei aber eine Mammutaufgabe, „dass Hilfen, die es gibt, zum einen bekannt und zum anderen angenommen werden“. Das Amt für Familie und Soziales sei dabei hochengagiert, betont Baron.
Außerdem habe die Stadt über die Quartiersarbeit Menschen im Dienst, die in die Familien reingehen und niederschwellige Angebote machen. Etwa auf dem Hardt oder in der Oststadt: „Aber auch in den anderen, eher gut bürgerlichen Stadtquartieren, bieten wir inzwischen vielfältige Angebote.“
Nicht so einfach zu lösen
Nicht jeder, der die Hilfen kennt, könne sie auch nutzen, sagt der Bürgermeister. Manche beantragen nichts, weil sie die Anträge nicht verstehen. „Oder aus Scham.“ Baron spricht aber auch an: „Es gibt Angebote, über die Geld in die Familien kommt, aber es kommt dann nicht bei denen an, für die es gedacht ist.“ Das alles seien Probleme, die sich nicht so einfach lösen lassen.
So viele Schulkinder erhalten in Schwäbisch Gmünd kostenfreies Mittagessen
Die Stadt legt Zahlen aus dem Schuljahr 2024/2025 vor: Damals hatten 417 Kinder eine vorgewiesene Berechtigung darauf, ihr Mittagessen an einer Gmünder Schule erstattet zu bekommen. Die Gelder stammen dabei nicht von der Stadt, sondern vom Landratsamt.
So überwies zum Beispiel das Jobcenter die Beträge für 294 Kinder, die Abteilung Soziales deckte die Verpflegung von 98 Kindern ab und von der Abteilung Integration und Versorgung stammten 25 Anteile.
124 Kinder gingen an die Mozartschule, 63 an die Klösterleschule, weitere an die Friedensschule (48), Pestalozzischule (47), Grundschule Hardt (35), Rauchbeinschule (31), Schiller-Realschule (17), Uhlandschule (17), Parlergymnasium (17), Hans-Baldung-Gymnasium (7), Stauferschule (5), Römerschule (3), Eichenrainschule (2) und Theodor-Heuss-Schule (1).
Copyright Gmünder Tagespost, 25.09.2026
