168 Wohnungen auf Schapplachhalde? Gmünder Räte sind noch uneins
Gmünds Ratsfraktionen zeigen sich noch unentschlossen: Beschließt der Gemeinderat den Bebauungsplan auf der Schapplachhalde kommende Woche?
Schwäbisch Gmünd. Wie stehen die Gmünder Ratsfraktionen zum Bebauungsplan „Margaritenhöhe“ für 15 Gebäude mit 168 Wohnungen auf der Schapplachhalde? Die Entscheidung fällt im Vollgremium am 7. Oktober. In der Ausschusssitzung am Mittwoch bezogen die Fraktionen Stellung. Außerdem gab’s neue Informationen.
Kein sozialer Wohnungsbau
Oberbürgermeister Richard Arnold kündigte an, einen Beschluss des Gemeinderats anzuwenden. Im Juli hatte dieser mehrheitlich entschieden, dass die Stadt künftig auf 15 Prozent sozial geförderten Wohnungsbau bei Neuvorhaben verzichtet. Deswegen werde dieser Passus gestrichen.
Nadine Klein vom Büro Stadtlandingenieure erläuterte, dass an im Süden des Gebiets ein Stück der Wohnbaufläche zurückgenommen wurde, um dort mehr Grünfläche vorzusehen. Zu massive Bebauung war ein Kritikpunkt am Projekt gewesen. Die geplante Kindertagesstätte im Norden sei momentan nicht nötig. Deswegen befindet sich dort nun auch Wohnbebauung im Plan – mit der Option, die Kita immer noch errichten zu können.
Ökologischer Ausgleich
Außerdem ging Klein auf den ökologischen Ausgleich ein. Nötig seien 249.000 Ökopunkte etwa. „Diese wollen wir in der südlich liegenden Streuobstwiese ausgleichen.“ Invasive Pflanzen würden entfernt und die Fläche durch gezielte Pflege aufgewertet. Dadurch würden 290.000 Punkte generiert, was den Eingriff vollständig kompensiere.
Die CDU habe sich noch nicht eindeutig entschieden, sagte Fabian Wolf. Er selbst klang zustimmend: „Die Geologie ist schwierig, aber machbar.“ Die Verkehrslage habe sich durch den Wegfall der Kita vermutlich verbessert. „Die Ökologie liegt uns am Herzen. Über die Ökopunkte gleichen wir das aus.“ Und der Bedarf nach neuem Wohnraum sei da.
Dario Thiem: „Wir sind ein Mini-Kessel“
Dario Thiem (Grüne) äußerte sich kritisch. Die Bebauung nehme Einfluss in Sachen Frischluft und Kaltluft. „Wir sind ein Mini-Kessel, das ist einfach so.“ Die Wohnungen würden teuer „bei dem schwierigen Untergrund“. Auch Thiem sagte: „Wir haben Bedarf.“ Aber seine Fraktion schaue eher auf Möglichkeiten am westlichen Stadttor. Er forderte, an der 15-Prozent-Regel festzuhalten.
Maren Zengerle (SPD) sah die einzige Zufahrt zum Gelände problematisch. „Eine richtige zweite Zufahrt hätte ich aber auch nicht gefunden.“ Sie habe nichts über einen gedrosselten Ablauf des Regenwassers am Hang gelesen. Doch, der sei drin, sagte Planerin Klein. Auch die SPD-Rätin sprach sich für die 15 Prozent-Regelung aus.
Andreas Wörner (AfD) kommentierte lediglich: „Wir werden das Vorhaben noch in der Fraktion diskutieren.“ So reagierte auch Constance Schwarzkopf-Streit (BL): „Es gibt Positives und Negatives.“
Dr. Andreas Benk (söl) reagierte ausführlicher: Der vorliegende Entwurf gehe sehr viel weiter nach Süden hin, als der Flächennutzungsplan erlaube. „Das ist eine deutliche Abweichung in einem sensiblen Gebiet.“ Er verwies auf die Stellungnahme vom Landratsamt, die auf die sehr massive Bebauung und das deutliche Hineinragen in die Umgebung hinweist.
„Bauen wird horrend teuer“
Dass der Bedarf für den Kindergarten nicht mehr da ist, sei ein Warnsignal, fuhr er fort. Und ursprünglich sei sogar von 25 Prozent sozial gefördertem Wohnungsbau die Rede gewesen. Benk zu OB Arnold: „Ihnen geht langsam auf, dass an dieser Stelle zu bauen, horrend teuer wird. Ich bin gespannt, ob sich je ein Investor findet.“
Jens Freitag (FPD/FW) meinte: „Das ist schon ein ziemlicher Klopper.“ Seine Fraktion befürworte das Projekt. „Wir wünschen uns aber, niedrigere Gebäude für Familien am Rand vorzusehen.“ Hannes Barth (CDU) hob hervor, dass das Wirtschaftliche Vorrang haben müsse. Die Zufahrt zur Bergstraße empfinde er auch als schwierig.
Sabine Rieger: „Nicht in der Verpflichtung“
Sabine Rieger, Leiterin des Stadtentwicklungsamts, antwortete Benk, dass die Stadt sich wegen der Größe des Gebiets mit den Behörden abgesprochen habe. Sie ergänzte, dass die 25 Prozent eine Aussage der Vorhabenträger gewesen sei. „Da sind wir nicht in der Ausführung und in der Verpflichtung.“
Wenn man die Voraussetzung nicht schaffe, wisse man nie, ob es klappt, sagte der OB. Die Überalterung der Gesellschaft sei da. „Wir brauchen Angebote für die Menschen, die ihre Häuser frei machen für Familien. Das würde uns enorm entlasten.“
Copyright Gmünder Tagespost, 02.10.2026
