Klimaziel 2035 ist gestrichen: Stadt Gmünd passt sich dem Land an
CDU-Antrag findet Mehrheit: Die Stadt orientiert sich künftig am Klimaziel des Landes Baden-Württemberg. Grüne, SPD und söl kritisieren die Entscheidung als verfrüht.
Schwäbisch Gmünd. Das Gmünder Klimaziel 2035 wird abgeschafft: Diesem Antrag der CDU hat eine Mehrheit im Gemeinderat zugestimmt. Stattdessen will sich Gmünd in Zukunft an der Jahreszahl 2040 messen lassen – dem Klimaziel des Landes Baden-Württemberg. „Auch das ist noch ambitioniert genug“, sagt Martin Bläse von der CDU.
Eine Mehrheit aus CDU, Bürgerliste, AfD und FDP/FW hat entschieden: Das Ziel, dass Gmünd schon 2035 klimaneutral werden soll, ist gestrichen. Die Entscheidung war erst für Herbst erwartet worden, weil die Stadträte Bedenken hatten, durch die Streichung mögliche Zuschüsse für klimafreundliche Investitionen zu verlieren.
Keine Angst um Zuschüsse
Die Frage hatte die Stadtverwaltung schnell klären können: „Wenn wir uns dem Klimaziel Baden-Württemberg anschließen, dann können wir auch weiterhin alle finanziellen Mittel des Landes bekommen. Das ist für uns extrem wichtig“, sagt Bläse.
Für Bläse bedeutet die neue Zielsetzung, „dass wir uns der Realität anpassen“. „Verlässliche Politik bedeutet auch, ehrlich zu sein“, so der CDU-Stadtrat. „Eine Jahreszahl allein schützt das Klima nicht. Entscheidend sind die Maßnahmen, die wir auch finanzieren können.“
Vor dem Beschluss hatten sich Grüne, SPD und söl-Fraktion dafür eingesetzt, bis zum Herbst genauere Zahlen zum Klimaschutz in Gmünd zu erheben – und erst dann zu entscheiden. „Es fehlt die Datengrundlage: Für einen solchen Beschluss brauchen wir konkrete Zahlen. So ist die Entscheidung eher ideologisch geprägt“, so Grünen-Stadtrat Gabriel Baum.
„Es braucht einen Fahrplan“
„Es braucht einen Fahrplan für ein Klimaziel, alles andere wäre Glaskugelleserei“, sagte Maren Zengerle (SPD). Sebastian Fritz von der söl fügte hinzu: „Wer das Thema ernst nehmen möchte, der muss Sektorenziele festlegen.“ Sektorenziele im Klimaschutz sind verbindliche, nach Wirtschaftsbereichen aufgeteilte Emissionsvorgaben. Sie legen fest, wie viel Treibhausgas Bereiche wie Verkehr, Gebäude oder Energiewirtschaft maximal ausstoßen dürfen.
„Ich bin gegen Sektorenziele, das sage ich gleich“, so OB Richard Arnold. Die Erfahrung etwa in der Bundespolitik sei doch die: „Es gibt Sektorenziele, und dann sind sie nicht erreichbar.“
Das sei eine „fatalistische Sichtweise“, findet Gabriel Baum. „Wenn Sektorenziele nicht erreichbar werden, dann hat das sinnvollerweise zur Folge, dass Pläne nachgearbeitet werden, um sie doch zu erreichen.“
Copyright Gmünder Tagespost, 29.07.2026
