Taubental-Unterführung: Stadt Gmünd bewertet neue Route als sicher
Die kleine Fußgänger-Unterführung ins Taubental fällt weg. Die Stadt setzt in der großen Unterführung auf Tempo 30, Radmarkierungen und eine Querungshilfe.
Schwäbisch Gmünd. Eine Querungshilfe für Fußgänger, sieben neue Rad-Piktogramme auf der Fahrbahn und Tempo 30: Mit diesen Maßnahmen hat die Stadt reagiert, um die Taubental-Unterführung für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen. Reichen die Verbesserungen aus?
„Dieser Durchgang muss bleiben“, sagt die Frau, die mit ihren beiden Enkeltöchtern unter der Bahnlinie durchgeht. Die Taubental-Bewohnerin spricht von dem Weg, der wenige Meter östlich vom Bahnhof seit Jahrzehnten gesetzt war: Die kleine Unterführung, Baujahr 1860, ist täglich von Hunderten Menschen genutzt worden.
Der Wunsch der Anwohnerin wird nicht in Erfüllung gehen: Der Durchgang wird saniert – und für immer gesperrt.
Alternativlos, sagt die Bahn. Die Unterführung habe 2026 das Ende der technischen Restnutzungsdauer erreicht, so ein Bahnsprecher. Darum müsse „das Bauwerk zur Aufrechterhaltung der Standsicherheit zeitnah verstärkt werden“. Die Bahn plant, Hilfsbrücken im Gleisbereich und Stahlträger einzuziehen. Unters Dach der Unterführung soll eine 20 Zentimeter dicke Stahlbetonplatte kommen. „Dadurch ist eine Nutzung der Fußgängerunterführung aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich“, so der Sprecher.
„Verlangen nicht geäußert“
Alternativlos, sagt auch die Stadt Gmünd. Die Planer im Rathaus hätten die Möglichkeit gehabt, den Durchgang am Leben zu erhalten: Seit 2019 sei die Bahn mit der Stadt „in sehr konstruktivem und strukturiertem Dialog“, 2023 gab es einen Ortstermin, bei dem mögliche Varianten besprochen wurden.
Die Variante „Durchgang erhalten“ hätte zum Großteil die Stadt bezahlen müssen., „In diesem Fall hätte sich die Stadt Schwäbisch Gmünd nach den Grundsätzen des Eisenbahnkreuzungsgesetzes in erheblichem Umfang an den Kosten zu beteiligen“, so der Bahnsprecher. Doch in den Gesprächen habe die Stadt ein „entsprechendes kreuzungsrechtliches Verlangen nicht geäußert“. Nicht bezahlbar für Gmünd, so das Fazit der Verwaltung: Tiefbauamtsleiter Jürgen Musch hat allein die Kosten für einen Abriss auf 1,5 Millionen Euro geschätzt, mit noch deutlich höherer Rechnungssumme am Ende.
„Vorschriften und Baunormen“
Warum ein Erhalt so teuer wäre, erklärt der Bahnsprecher: Der Ist-Zustand der Unterführung entspricht in vielem nicht mehr heute gültigen Vorschriften und Baunormen. Diese sehen unter anderem eine lichte Höhe von mindestens 2,50 Meter sowie für barrierefreie Rampen eine maximale Längsneigung von 6 Prozent vor.
Ein entsprechend normgerechter Umbau wäre wegen der engen Platzverhältnisse sehr aufwendig: Es bräuchte Erdbewegungen, der Weg müsste tiefergelegt werden, Leitungen versetzt werden, selbst das angrenzende Parkhaus wäre von den Umbauten betroffen.
Die Taubentalbewohnerin, mit der zweijährigen Enkelin im Kinderwagen und der fünfjährigen an der Hand, schaut auf ihren Alltag mit anderen Maßstäben: Hier war kein Verkehr, nebenan in der großen Unterführung fahren viele Autos. „Dort unten muss man die Kinder richtig gut an die Hand nehmen, und es ist sehr laut.“
Auch daran wird sich nichts ändern lassen: Rund 4000 Fahrzeuge durchqueren die Unterführung im Schnitt jeden Tag, das sind die Zahlen, die die Stadt Gmünd erhoben hat.
Sieben neue Radpiktogramme
Die Stadt hat die große Unterführung, die künftig auch den Fuß- und Radverkehr abdecken soll, bei einer Verkehrsschau analysiert. Ergebnis davon sind Tempo 30 und die kleinen Baumaßnahmen, die die Stadt auch bereits erledigt hat: die neue Querungshilfe am Nordende sowie auf der Fahrbahn sieben neue Radpiktogramme an der Südseite der Unterführung. Zudem soll noch die Beleuchtung deutlich verbessert werden.
Unter dem Strich habe die Verkehrsschau „kein erhöhtes Gefahrenpotenzial für alle Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmer, die die Taubentalunterführung nutzen“ erkennen lassen, sagt Gerd Hägele, der Leiter des Ordnungsamts. „Die Verkehrsführung war bereits während der Landesgartenschau 2014 so wie jetzt und wurde von Tausenden Besuchern als Verbindung Taubental – Stadtgarten genutzt.“ Gleichzeitig sei dort auch der Buspendelverkehr zwischen Himmelsgarten und Bahnhof gefahren – „und es kam zu keinerlei gefährlichen Situationen“, so Hägele. „Insoweit bewertet die Verkehrsschau die Situation als sicher, auch wenn die Fußgängerunterführung geschlossen wird.“
Wann wird denn jetzt eigentlich gesperrt?
Die Ankündigung: „Fußweg unter der Brücke ab 11. Mai 2026 dauerhaft gesperrt.“ So steht es auf dem Schild, das die Bahn direkt neben dem Durchgang der Unterführung angebracht hatte.
Die Realität: So schnell geht’s offenbar doch nicht bei der DB. Nicht, dass gar nichts passiert wäre diese Woche: Anwohner konnten etwa am Mittwochnachmittag fünf Bahn-Mitarbeiter in Warnwesten beobachten, die auf den Gleisen oberhalb der Unterföhring standen.
Die Erklärung: „Vorbereitenden Arbeiten“ hätten stattgefunden, sagt ein Bahnsprecher: darunter eine „Vermessung, Bestandsaufnahme am Dienstag, Gleisbegehung am Mittwoch“.
Die neue Ankündigung: Jetzt aber wirklich – das kündigt der Bahnsprecher an: „Am Montag, 18. Mai, wird die Baustelleneinrichtungsfläche eingerichtet; ab diesem Zeitpunkt wird die Unterführung gesperrt.“
Copyright Gmünder Tagespost, 17.05.2026
