Es bleiben nur Trostpflaster: Wie Gmünd für Fußgänger schlechter wird
Bernd Müller kommt vom Fußverkehrscheck zur Schließung der Taubental-Unterführung: Warum die wirklich großen Probleme für Fußgänger in Gmünd ungelöst bleiben.
Fußverkehrscheck, so nannte sich die Aktion: Ein Verkehrsplaner kam, finanziert vom Land, nach Gmünd. Sein Auftrag damals, 2021: Verkehrswege untersuchen, Bürger mit einbeziehen, Verbesserungen vorschlagen. Sein Arbeitsgebiet: nicht etwa die ganze Stadt, so viel Aufwand war nicht drin. Aus Kapazitätsgründen ging’s nur um einen Stadtteil, die Südstadt.
Der große Problemfall bleibt
Besser als nichts – oder? Ein Jahr nach dem Start des Checks als „Sofortmaßnahmen“ auf der Habenseite: Eine Querungshilfe wird verbreitert, eine Markierung ausgeweitet, an einer Stelle die „Querungsdistanz“ für Fußgänger verringert. Auf der Sollseite: ein XL-Problemfall wie die Konrad-Baum-Kreuzung an der Einmündung der Königsturmstraße in die Untere Zeiselbergstraße. Erkenntnis dort, als solche nicht ganz neu in Gmünd: für Fußgänger stark verbesserungswürdig. Konkretes Ergebnis: keines. Was bisher galt, galt weiter: Die Situation ist schlecht, aber vorerst nicht zu ändern. Dazu bräuchte es eine richtig große Lösung – mit langem Planungshorizont und Millionenkosten. Was blieb, waren die paar Trostpflästerle.
Eine Schließung, die wehtut
Jetzt, im Frühjahr 2026, als Ironie der Geschichte: Den Fußgängern im Taubental kann kein Check mehr helfen. Die kleine Bahnunterführung beim Fehrle-Parkhaus wird geschlossen – und reißt eine schmerzhafte Wunde ins Netz menschenfreundlicher Wege in der Stadt. Der autofreie, direkte Weg vom Tal in die Stadt war mindestens so viel wert wie eine Handvoll Trostpflaster.
Ernüchterter Blick nach vorn
Und keiner kann etwas dagegen tun. Sogar Sebastian Fritz, als söl-Stadtrat hartnäckiger Verfechter besserer Verkehrswege für Fußgänger und Radler, sagt: „Das können wir uns nicht leisten.“ Eine Sanierung würde Millionen kosten, die Bahn als Eigentümerin und Bauherrin würde die Rechnung nach Gmünd schicken.
Es bleibt nur der ernüchterte Blick nach vorne. Das Beste, was jetzt möglich ist, sind an der neuen Strecke durch die große Unterführung: ein paar Trostpflaster, so zielgerichtet gewählt und platziert wie möglich.
Copyright Gmünder Tagespost, 17.05.2026
