Zwischen Klimaanpassung und Sparzwang
Aus der heutigen Rems Zeitung: Stadtentwicklung: Der Bauausschuss des Gmünder Gemeinderats hat grünes Licht für eine Bewerbung um Bundesfördermittel gegeben.
Bis zu acht Millionen Euro könnten in die klimaangepasste Umgestaltung des Marktplatzes fließen.
Ist es die Gelegenheit, den Gmünder Marktplatz fit für die Zukunft zu machen – oder ein Projekt, das
angesichts der angespannten Haushaltslage falsche Prioritäten setzt? Diese Frage prägte die Diskussion im Klima-, Umwelt-, Energie- und Bauausschuss (KUEBA) des Gmünder Gemeinderats. Am Ende stimmte eine deutliche Mehrheit dafür, die Chance auf eine millionenschwere Bundesförderung zu nutzen. Zwei Stadträte lehnten den Vorschlag ab.
Mit zwölf Ja- und zwei Nein-Stimmen gab der Ausschuss der Verwaltung grünes Licht, eine Projektskizze für das Bundesprogramm „Anpassung urbaner und ländlicher Räume an den Klimawandel“ einzureichen. Dabei geht es zunächst nicht um einen Baubeschluss, sondern lediglich um die Möglichkeit, sich um Fördermittel zu bewerben. Ob Schwäbisch Gmünd tatsächlich Geld erhält, entscheidet sich erst in einem weiteren Verfahren.
Bis zu acht Millionen Euro könnten Kommunen aus dem Programm erhalten. Insgesamt stellt der Bund dafür 80 Millionen Euro aus dem „Sondervermögen Klima- und Transformationsfonds“ bereit. Voraussetzung für die Förderung ist allerdings ein Eigenanteil der Kommunen. Der Marktplatz soll dabei als erstes konkretes Projekt innerhalb des bereits 2020 beschlossenen Vorhabens „Lebenswerte
Altstadt“ dienen. Die Stadtverwaltung hatte das Projekt ursprünglich umfassender angelegt. Weil ein klassisches, zeitaufwendiges Integriertes Stadtentwicklungskonzept (ISEK) jedoch viel Zeit beanspruchen würde, setzt die Verwaltung nun auf einzelne Fokusbereiche. Grundlage für die aktuellen Überlegungen sind Entwürfe der Büros Koeber Landschaftsarchitektur und GrüneWelle Landschaftsarchitektur, die bereits im Rahmen des Projekts „Grüne Urbanität“ in den Jahren 2021 und 2022 entstanden sind.
Der Entwurf konzentriert sich vor allem auf den unteren Marktplatz. Vorgesehen ist unter anderem ein begrüntes „botanisches Bauelement“ anstelle der heutigen Bushaltestelle. Die Konstruktion soll Schatten spenden und zur Verbesserung des Mikroklimas beitragen. Ergänzend ist ein Wasserfontänenfeld geplant, das als Aufenthalts- und Spielfläche dienen und durch Verdunstung an heißen Tagen für Abkühlung sorgen soll. Auch weitere Maßnahmen sind Teil des Konzepts: Entsiegelungen, Regenwassermanagement sowie Fassaden- und Dachbegrünungen könnten künftig eine Rolle spielen. Für Menschen mit eingeschränkter Mobilität sollen barrierefreie Wege geschaffen werden. Das Kopfsteinpflaster des Marktplatzes soll jedoch erhalten bleiben. Die Pläne kommen zu einer Zeit, in der die Stadt erneut mit den Folgen zunehmender Hitzeperioden konfrontiert ist.
„Wir erleben gerade eine Hitzewelle und wir müssen unsere Stadt kühler machen“, sagte Dario Thiem (Grüne). Insgesamt begrüßte er den Entwurf, sah aber noch Verbesserungsmöglichkeiten. Die kühlende Wirkung der Wasserfontäne sei aus seiner Sicht begrenzt, weshalb er eine Sprühregenanlage prüfen lassen wolle. Auch bei der Zahl der vorgesehenen Bäume gebe es noch Spielraum.
Kritik wegen angespannter Haushaltslage
Gerade der notwendige Eigenanteil sorgte im Ausschuss für Diskussionen. CDU-Stadtrat Martin Bläse warnte davor, angesichts der schwierigen Finanzlage falsche Schwerpunkte zu setzen. Während
Straßen und Sportstätten nicht ausreichend saniert werden könnten und Veranstaltungen gestrichen würden, beschäftige sich die Stadt gleichzeitig mit einem „botanischen Haus“ auf dem Marktplatz.
„Ist das jetzt der richtige Zeitpunkt?“, fragte Bläse. Es gehe nicht darum, den Marktplatz grundsätzlich nicht weiterzuentwickeln. Allerdings dürfe die Stadt keine „Traumschlösser“ bauen, während
Pflichtaufgaben zurückgestellt würden.
Auch Benedikt Disam (Bürgerliste) verwies auf den Investitionsbedarf in den Teilorten. Der städtische Eigenanteil könne ein „ordentliches Loch in die leere Stadtkasse“ reißen. Dennoch unterstütze er die
Bewerbung, weil die Ideen grundsätzlich sinnvoll seien.
Oberbürgermeister Richard Arnold und die Verwaltung betonten dagegen, dass die Stadt zunächst nur die Möglichkeit schaffen wolle, überhaupt an Fördermittel zu kommen. „Wir können es probieren – mehr ist es nicht“, sagte Arnold. Angesichts der Haushaltslage sei es notwendig, jede Fördermöglichkeit zu nutzen. „Ohne Moos nix los“, fasste der Oberbürgermeister zusammen. Große Projekte wie die barrierefreie Umgestaltung des Marktplatzes seien aus eigener Kraft kaum finanzierbar. Sollte Schwäbisch Gmünd eine Förderung erhalten, wäre der aktuelle Entwurf nicht das Ende der Planung. Die Verwaltung kündigte eine weitere Beteiligung der Bürgerschaft an. Für die „Lebenswerte Altstadt“ wurden neben dem Marktplatz bereits weitere Bereiche mit Handlungsbedarf identifiziert, darunter das Buhlgässle und Marktgässle, der Parler Markt, Schmiedgassen und Mühlbergle sowie Franziskanergasse, Ledergasse und Waisenhausgasse.
Die Stadt möchte dabei nicht nur bauliche Fragen betrachten. Auch Themen wie Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen, Tourismus, Sauberkeit und Beleuchtung sollen einfließen. Geplant sind zunächst OnlineBeteiligungen und anschließend ein Bürgerforum mit zufällig ausgelosten Teilnehmern.
Zustimmung mit Bedingungen Die Fraktionen bewerteten die geplante
Bewerbung grundsätzlich positiv, verbanden ihre Zustimmung aber mit Erwartungen. Maren Zengerle (SPD) bezeichnete die Maßnahmen für Klimaanpassung, Barrierefreiheit und Aufenthaltsqualität als sinnvoll. Gleichzeitig kritisierte sie, dass viele Projekte erst durch Förderprogramme möglich würden. Sollte die Zusage kommen, müsse genau geprüft werden, welche Maßnahmen sich die Stadt leisten könne.
Dr. Andreas Benk (söl) bezeichnete den Marktplatz als einen Ort, „an dem etwas passieren muss“. Gerade die Hitzeproblematik zeige den Handlungsbedarf. Er sprach sich dafür aus, bei der späteren Planung flexibel zu bleiben – etwa bei der Zahl der Bäume.
Dr. Jens Freitag (FDP/FW) begrüßte ebenfalls Veränderungen am Marktplatz und regte an, auch Konzepte aus südlichen Ländern wie Spanien als Vorbild für den Umgang mit Hitze zu betrachten.
AfD-Fraktionsvorsitzender Andreas Wörner lenkte den Blick vor allem auf die Barrierefreiheit. Er fragte, ob das Kopfsteinpflaster durch eine glatte Fläche ersetzt werde. Sabine Rieger, Leiterin des
Amts für Stadtentwicklung, stellte klar: Das historische Pflaster soll bleiben, ergänzt werden lediglich einzelne barrierefreie Wege. Ob aus den Plänen tatsächlich ein umgestalteter, grünerer Marktplatz wird,
hängt nun zunächst von der Förderentscheidung des Bundes ab.
Copyright Rems Zeitung, 25.06.2026
