Kritik an Bahn: Fehrle-Unterführungsschließung gefährdet Barrierefreiheit
Die geplante Schließung der historischen Fehrle-Unterführung sorgt für Unmut bei Anwohnern und Menschen mit und ohne Handicap. Die vorgeschlagene Ausweichroute ist für viele keine Option. Wird die Stadt auf die Bedenken reagieren?
Aus der Rems-Zeitung: Die Wut in den Straßenzügen südlich der Bahngleise hat ein Gesicht. Es ist das Gesicht von Menschen wie Erkan Gezen, der im Rollstuhl sitzt und für den die Welt in dieser Woche ein großes Stück mühsamer geworden wäre. Eigentlich sollte die historische Fehrle-Unterführung zum Zeitpunkt des Ortstermins bereits dauerhaft verriegelt sein. Dass sie wegen Verzögerungen bei der Deutschen Bahn aktuell immer noch offen steht, wirkte an diesem 15. Mai wie eine bittere Atempause in einem Prozess, der viele Anwohner fassungslos zurücklässt. Die Wohngebiete am Hang, die über diesen Weg bisher direkt mit der Innenstadt verbunden waren, drohen ihre wichtigste Ader zum Zentrum zu verlieren, sobald die angekündigten Schlösser tatsächlich fallen.
Bei einer Begehung der söl-Fraktion wurde deutlich, dass die geplante Alternative durch die bestehende Taubentalunterführung für viele keine echte Option ist. Rund 30 Bürger versammelten sich vor dem Fehrle-Parkhaus, um ihrem Ärger Luft zu machen. Erkan Gezen schilderte eindrücklich, dass jeder zusätzliche Meter mit einem Handicap eine enorme Belastung darstellt. Die verbleibende Taubentalunterführung sei für ihn kaum nutzbar, da die Gehwege dort nicht nur viel zu schmal, sondern auch zu hoch und die Rampen mit einer Steigung von weit über sechs Prozent ohne fremde Hilfe schlicht gefährlich seien. Die Tatsache, dass der alte Durchgang trotz gegenteiliger Ankündigung der Bahn noch passierbar ist, unterstrich für viele Anwesende nur die mangelhafte Kommunikation der Verantwortlichen.
Sicherheitsrisiken und Verkehrsprobleme entlang der Ausweichstrecke
Während der gemeinsamen Begehung der Ausweichstrecke zeigte sich das ganze Ausmaß des Problems. Das offizielle Tempolimit von 30 Kilometern pro Stunde wird von vielen Autofahrern ignoriert, die stattdessen mit hoher Geschwindigkeit in die unübersichtliche Kurve einfahren. Wenn sich auf dem engen Gehweg ein Kinderwagen und ein Rollstuhl begegnen, ist ein Ausweichen auf die Fahrbahn unumgänglich, was angesichts des starken Verkehrs einem lebensgefährlichen Manöver gleicht. Besonders besorgt zeigte sich eine Erzieherin des nahegelegenen Kindergartens St. Theresia, die das Durchqueren der Röhre mit einer Gruppe von 25 Kindern als wirklich gefährlich bezeichnete.
Kritik gab es auch an der wirtschaftlichen Logik hinter der Schließung. Michael Stütz von der Bürgerinitiative Stadtklima bemängelte, dass bisher kein detailliertes Gutachten vorliege, das die tatsächlichen Sanierungskosten der Fehrle-Unterführung transparent belege. Die Bürgerinitiative Stadtklima warf zudem die Frage auf, weshalb eine Tieferlegung der Straße an anderen Stellen im Stadtgebiet problemlos möglich war, während ein ähnliches Vorgehen am Fehrle-Durchgang als unbezahlbar gilt. Zudem drohe der teuer gebaute Fehrle-Steg zur Investitionsruine zu werden, da ohne den unteren Durchgang kaum jemand den großen Umweg über die Brückenkonstruktion auf sich nehmen werde. Stattdessen sei zu befürchten, dass Fußgänger die Fahrbahn direkt am Parkhaus queren, was völlig neue Gefahrenquellen schafft.
Copyright Rems Zeitung, 16.05.2026




