Wohngebiet Strutfeld IV löst Debatte über Verwaltungsgremium aus
Das neue Wohngebiet in Bargau ist beschlossen. Doch im Ausschuss entwickelt sich eine Grundsatzdebatte über Sinn und Zukunft des Gremiums.
Schwäbisch Gmünd. Die Abstimmung im Hans-Baldung-Griensaal ist Formsache, die Diskussion nicht. Am Ende geht es sogar um Grundsätzliches. Sollen womöglich „alte Zöpfe endlich abgeschnitten werden“.
Das „Strutfeld IV“ in Bargau steht auf der Tagesordnung: Ohne Gegenstimme oder Enthaltung gibt der Ausschuss „vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft Schwäbisch Gmünd-Waldstetten“ grünes Licht für ein weiteres Wohngebiet dort. Beide Gemeinderäte hatten dieses Thema zuvor beraten, von beiden kam das Go.
Zwar jeweils nur mehrheitlich, trotzdem müssen alle Vertreter aus Gmünd und Waldstetten in diesem übergeordneten Ausschuss nun die Mehrheitsmeinung vertreten. Das schmeckt nicht allen, obwohl es „ein ganz normales demokratisches Verfahren“ sei, wie OB Richard Arnold als Vorsitzender erklärt. Wer im Gemeinderat gegen die Bebauung gestimmt habe, müsse jetzt trotzdem dafür stimmen.
Kritik am Flächenverbrauch
Söl-Stadtrat Professor Andreas Benk zum Beispiel, der deshalb in einer persönlichen Stellungnahme die Beweggründe der „starken Minderheit“ nochmals nennt: Das Baugebiet werde auf einer landwirtschaftlichen Fläche der Vorrangstufe 1 ausgewiesen, was mit Blick auf die regionale Versorgung kritisch sei. Obendrein findet Benk, dass es nicht von sparsamem Gebrauch der wertvollen Flächen zeuge, wenn Einzelhäuser eingeplant seien.
60 Prozent der Häuser in Gmünd seien Einzelhäuser. Wer eins wünsche, könne auf den Bestand zurückgreifen. Was Dario Thiem nicht ganz so formulieren möchte: „Wir als Grüne haben uns enthalten. Denn wir sehen zwar ebenfalls diese kritischen Punkte, wollen aber jungen Menschen und Familien eine Chance auf ein Heim geben.“ Und jeder Ortsteil solle sich entwickeln können.
Zusicherungen für die Landwirtschaft
Der Waldstetter CDU-Gemeinderat Michael Weber, dem die Gegenargumente „aus landwirtschaftlicher Sicht zu 100 Prozent aus der Seele sprechen“, erhält von den Planern die Zusicherungen, dass der betroffene Landwirt die Fläche noch bis zum Baubeginn nutzen dürfe, und dass für die Ausgleichsmaßnahmen keine weiteren landwirtschaftlichen Flächen in Anspruch genommen werden. Damit kann nun ein Haken hinter das Thema gesetzt werden.
Debatte über die Verwaltungsgemeinschaft
Doch dann formuliert Oliver Beyn, ebenfalls für Waldstetten in der Sitzung und eigentlich auch nicht ganz glücklich mit der Ja-Stimme, die er an diesem Nachmittag abgeben muss, die Kernfrage: „Braucht es diese Sitzung überhaupt oder ist dieser Ausschuss nicht längst ein Bürokratiemonster?“
Das müsse das Gremium selbst diskutieren und wenn eine Abschaffung politisch gewollt sei, müsse man die Machbarkeit prüfen, erwidert der OB und fügt an: Im Detail sei eine Abschaffung nicht ganz einfach, denn die Verwaltungsgemeinschaft sei bei der Kommunalreform in den 70er-Jahren per Gesetz eingerichtet worden. Es sei also eine Gesetzesänderung oder ein neues Gesetz nötig. In den Prozess müssten das Land und das Regierungspräsidium eingebunden werden.
Rembold plädiert für eine Auflösung
Der Waldstetter Schultes Michael Rembold, der gemeinsam mit Richard Arnold den Vorsitz innehat, tendiert trotzdem in Richtung Auflösung: Die Vereinbarte Verwaltungsgemeinschaft sei in den vergangenen 50 Jahren ein wichtiges Gremium gewesen und stets Ausdruck guter Kooperation zwischen den Kommunen. Vieles habe man zwischen 1975 bis 2016 umgesetzt. Übrig geblieben sei nur noch der Flächennutzungsplan. „Eine Abschaffung wäre kein Verlust.
Wir Waldstetter würden viel Zeit sparen, wenn wir diesen Blähbauch auflösen würden, denn es sind heute 99 Prozent Gmünder Themen, zu denen wir uns äußern müssen“, betont Rembold und verspricht: Natürlich werde man die enge Kooperation in großer Offenheit weiterhin fortsetzen.
Copyright Gmünder Tagespost, 18.07.2026
