Schließung der Fehrle-Unterführung: Bürger kritisieren Alternativroute
Steile Umwege und fehlende Zebrastreifen machen den Alltag schwer. Bürger fordern dringend Verbesserungen.
Schwäbisch Gmünd. Nun ist zu: Das Aus für die Fehrle-Unterführung, die das Taubental für Fußgänger und Radfahrer mit der Stadt verbunden hat, gehört der Vergangenheit an. Dass die offizielle Alternativroute nun die rund 350 Meter entfernte Unterführung der Taubentalstraße ist, stößt einigen sauer auf. Rund 50 Schwäbisch Gmünder – zu Fuß, auf dem Rad, am Rollator und im Rollstuhl – haben sich zusammen mit söl-Stadtrat Sebastian Fritz getroffen, um die Situation zu analysieren, sie auf ihre Alltagstauglichkeit zu prüfen und nach Verbesserungsvorschlägen zu suchen. Die Enttäuschung über die Schließung der Unterführung ist groß und das Urteil über die Maßnahmen der Stadt fiel vernichtend aus.
Bürger zeigen Unmut
„In Sachen ,Fußgänger und Fahrradfreundliche Stadt‘ kommen wir keinen Millimeter weiter“, so Sebastian Fritz vor dem gemeinsamen Rundgang mit den Bürgern. „Wir kommen nicht nur nicht voran, es wird zurückgebaut.“ Um den Fußgänger-Durchgang zu erhalten, müsste die Stadt 1,5 Millionen Euro – und mehr – stemmen. Eine Summe, die vor allem die Bürgerinitiative Stadtklima nicht einfach so akzeptieren will. „Die Zahl steht so im Raum“, so deren Sprecher Michael Stütz. Schließlich konnte bei der Sanierung der Unterführung in der Vogelhofstraße die Straße problemlos tiefergelegt werden, während die Tieferlegung des Gehwegs bei der Fehrle-Unterführung offenbar äußerst problematisch und kostenintensiv ist. Eine vernünftige Kalkulation sei dringend notwendig, fordert die BI. Und überhaupt: Müsse sich nicht das Denkmalamt einmischen, fragt einer. Schließlich sei die Gmünder Unterführung (1860) älter als der Pariser Eiffelturm (1889).
Stadt setzt auf Umweg und neue Maßnahmen
Statt Tieferlegung gibt’s also Umweg, eine Querungshilfe für Fußgänger, sieben neue Rad-Piktogramme auf der Fahrbahn und Tempo 30: Maßnahmen, mit denen die Stadt reagiert hat, um die Taubental-Unterführung für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen.
Tempo 30: Es herrscht Skepsis, ob eine Reduzierung der Geschwindigkeit hier die gewollte Wirkung erzielt. „Kaum ein Autofahrer achtet auf Tempo 30“, lautet die einhellige Meinung der Bürger. „Die meisten schneiden noch die Kurve“, so mehrere Teilnehmer.
Piktogramme: Die reichen den Teilnehmern des Rundgangs nicht aus. Sebastian Fritz schlägt vor, auch um zu vermeiden, dass dann Radfahrer auf den Gehweg ausweichen, eine deutliche Begrenzung eines Fahrradweges mit einer Breite von 1,25 bis 1,50 Meter zu ziehen. Nicht nur mithilfe von Linien, sondern deutlicher mit Leitboys (kleine flexible Fahrbahntrenner aus Kunststoff) oder Bodenschwellen mit Leitpins.
Ebenso wünschen sich die Bürger stadteinwärts eine Linksabbiegespur für Fahrradfahrer sowie eine Querung am Boulevard. Vorgesehen ist eigentlich: Wer stadteinwärts fährt, biegt links ab, vorbei am Parkhaus, überquert den Fehrle-Steg und den Zebrastreifen. „Ich habe als Fußgängerin die Wahl: Zebrastreifen am Fehrle-Steg oder Ampel am Bahnhof“, lautet der Einwand einer Bürgerin. Beides sei nicht unbedingt fußgängerfreundlich. Vor allem dann nicht, wenn einer nicht gut zu Fuß ist. Das Risiko, dass Fußgänger „schnell über den Boulevard huschen“, sei damit umso größer.
Querungshilfe: An der Nordseite der Taubental-Unterführung, über die Lindenfirststraße, hat die Stadt bereits eine Querungshilfe angebracht. Die Beteiligten lachen. Denn was bleibt, ist die Unübersichtlichkeit der Situation. Spiegel fehlen sowie ein zusätzlicher Zebrastreifen.
Probleme, die sich beim Rundgang ergeben
Steigung: Die Steigung, die etwa sechs Prozent stadteinwärts beträgt, ist vor allem für Rollstuhlfahrer unzumutbar. Erkan Gezen berichtet aus seinem Alltag, ohne die Fußgänger-Unterführung ist der Besuch beim Physiotherapeuten im Taubental eine Herausforderung: „Die große Straße ist für Rollstuhlfahrer zu gefährlich.“ Zudem: Ein Rollstuhl und ein Kinderwagen kämen wohl nur schwer aneinander vorbei. Und auf der Strecke gebe es keinen Zebrastreifen.
Verkehrschaos: Eine Erzieherin eines nahe gelegenen Kindergartens erzählt, dass sie oft mit den Kindern einen Spaziergang machen, gerne zum Josefsbach. Für die Kinder ist der Umweg zur Taubentalstraße nicht nur groß, sondern an der viel befahrenen Straße eben auch gefährlich. Rund 4000 Fahrzeuge durchqueren die Unterführung im Schnitt jeden Tag, das ergab die Verkehrsschau der Stadt. Und noch eine nicht ganz ungefährliche Situation beobachteten die Bürger. Beim Action-Parkplatz herrscht reges Treiben: Ein Auto versperrt den Gehweg, weil einer rückwärts ausparkt, ein anderer fährt rückwärts zurück auf die Taubentalstraße. Es herrscht Stau. „Manchmal bis zur Unterführung vor“, berichtet eine Anwohnerin. Eine andere macht sich für die Jugendlichen stark, die im Sportpark spielen und sporteln: „Die holen sich beim Rewe was zu trinken, laufen zurück, blödeln ein bisschen – wie schnell ist da was passiert.“
Hintergrund
Der schmale Fußgänger-Durchgang, der direkt zum Fehrle-Steg führt, wird von der Bahn, die hier Bauherr ist, saniert und bleibt gesperrt. Das Bauwerk müsse zur Aufrechterhaltung der Standsicherheit zeitnah verstärkt werden, teilte die Bahn mit. Es sollen Hilfsbrücken im Gleisbereich und Stahlträger eingezogen werden. Unters Dach der Unterführung soll eine 20 Zentimeter dicke Stahlbetonplatte kommen. „Dadurch ist eine Nutzung der Fußgängerunterführung aus Sicherheitsgründen nicht mehr möglich“, so ein Bahn-Sprecher.
Copyright Gmünder Tagespost, 20.05.2026
